#144 Radical Self-Leaderhip – mehr Klarheit & Selbstbestimmung im Führungsalltag

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Viele Führungskräfte kennen es nur zu gut: Die To-do-Liste ist endlos, der Kalender blockiert, Meetings reihen sich aneinander – und irgendwo dazwischen sollen strategische Entscheidungen, empathische Gespräche und der eigene Anspruch an gute Führung Platz finden. Am Ende des Tages bleibt oft ein Gefühl von Getriebensein – statt von Gestaltung.

Hinzu kommt der innere Druck: immer präsent, immer souverän, immer produktiv sein zu müssen. Klarheit? Fehlanzeige. Zeit für sich selbst? Wenn überhaupt, dann ganz am Rand. Selbstführung – so scheint es – fällt dem Aktionismus zum Opfer. Und doch liegt gerade hier der Schlüssel: Wer andere führen will, muss zuerst sich selbst führen können.

Unser heutiger Gast, Thorsten Reitz, ist überzeugt: Führung beginnt nicht bei Methoden, sondern bei der Haltung – und beim Mut, sich selbst ehrlich zu begegnen. Gemeinsam mit André Häusling hat er das Buch Radical Self Leadership geschrieben. Ein radikales Plädoyer für Selbstverantwortung, Reflexion und echte Klarheit im Führungsalltag.

Was das konkret bedeutet, warum Zeitmanagement nicht reicht, und wie ein praxisnahes Modell dabei hilft, wieder vom Reagieren ins Gestalten zu kommen – darüber spreche ich heute mit ihm. Am besten gleich reinhören!

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Tina Ciotola


Mit Thorsten Reitz

Thorsten Reitz ist CEO und Gründer von savvean. Er verfügt über langjährige Führungserfahrung in Unternehmen wie ImmobilienScout24, TUI und der Automobilbranche – mit Fokus auf digitale Transformation und Produktentwicklung. Die Expertise in der digitalen Produktentwicklung, kombiniert mit den Learnings aus zwei Jahrzehnten Führungspraxis, bildet die Grundlage für Thorstens pragmatischen Ansatz zum Radical Self-Leadership, bei dem bewährte Prinzipien für eine dynamische Welt auf die persönliche Führung übertragen werden. Als Berater und Mentor gibt er sein Wissen an Führungskräfte, Teams und Personen, die sich entwickeln möchten, weiter.

Hier geht es zum LinkedIn-Profil:
https://www.linkedIn.com/in/thorstenreitz


Sprungmarken

00:00Intro 02:27Warum ein Buch über Radical Self-Leadership? 05:41An wen richtet sich das Buch? 08:35Welche Aspekte sind für die Selbstführung wesentlich? 11:13Überblick über das rADAR-Modell 16:17Worin unterscheidet sich das Modell von anderen? 18:16Beispiel für einen Zyklus 28:34Was tun bei blinden Flecken? 31:07Über Abschlüsse und Not-to-do-Listen 38:52Warum Journaling hier helfen kann 42:37Wieviel Zeitaufwand muss ich rechnen? 45:25Merkt das Team den Unterschied? 48:00Fazit

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Podcast-Zusammenfassung: Selbstführung statt Selbstoptimierung: Wie Sie sich selbst wieder zur Priorität machen

Selbstführung statt Selbstoptimierung: Wie Sie sich selbst wieder zur Priorität machen


Vom Getriebensein zur Selbstgestaltung

Viele Führungskräfte kennen das nur zu gut: Der Tag beginnt mit einem Blick auf einen durchgetakteten Kalender und endet mit dem Gefühl, trotz stundenlanger Meetings und unzähliger Aufgaben nichts wirklich bewegt zu haben. Zwischen To-do-Listen, strategischen Erwartungen und empathischer Führung bleibt kaum Raum für die eigene Entwicklung. Klarheit? Fehlanzeige. Zeit für sich selbst? Wenn überhaupt, dann spätabends – erschöpft, leer, überrollt vom Tag.

Hinzu kommt ein subtiler, aber permanenter innerer Druck: Immer präsent sein, souverän bleiben, Leistung bringen – am besten auf allen Ebenen. Führungskräfte laufen Gefahr, sich selbst aus dem Blick zu verlieren, während sie versuchen, allem und jedem gerecht zu werden. Doch genau hier liegt der Hebel für Veränderung: Wer führen will, muss bei sich selbst anfangen. Führung beginnt nicht bei Methoden oder Tools – sondern bei der Haltung. Und beim Mut, ehrlich in den Spiegel zu schauen.

In meinem Gespräch mit Thorsten Reitz, Co-Autor des Buches „Radical Self-Leadership“, ging es um die tiefere Dimension von Selbstführung. Wir sprachen darüber, warum Zeitmanagement nicht ausreicht, welche Rolle innere Klarheit spielt und wie ein pragmatisches Modell dabei hilft, wieder vom Reagieren ins Gestalten zu kommen.

Schluss mit Selbstoptimierungsdruck: Klarheit statt Effizienzwahn

In einer Welt, in der Selbstoptimierung zur Norm geworden ist, fällt es schwer, sich der ständigen Forderung nach Effizienz zu entziehen. Die Versuchung ist groß, jede Minute zu verplanen, jede Aufgabe möglichst produktiv abzuarbeiten. Doch was bleibt auf der Strecke? Häufig die Frage: Wofür eigentlich?

Selbstführung bedeutet nicht, noch schneller zu werden, sondern bewusster. Es geht darum, die richtigen Dinge zu tun – nicht mehr einfach nur Dinge. Das bedeutet auch: innehalten, bevor man automatisch in den nächsten Aktionismus verfällt. Deshalb ist die To-do-Liste allein auch kein Maßstab für ein gelungenes Leben. Sie hilft, sich zu organisieren – aber sie ersetzt nicht die Klarheit über die eigenen Ziele, Werte und Grenzen.

📝 Tipp:
Reduzieren Sie regelmäßig Ihre Aufgabenliste auf das Wesentliche. Fragen Sie sich: Was bringt mich meinen Zielen wirklich näher? Welche Aufgaben kann ich delegieren, verschieben – oder sogar ganz streichen?

Haltung vor Handlung: Warum Selbstführung von innen kommt

Wer sich selbst führen will, muss bereit sein, tiefer zu schauen. Es geht nicht darum, sich noch besser zu organisieren, sondern sich besser zu verstehen. Werte, Prinzipien und persönliche Muster spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie beeinflussen, wie wir Entscheidungen treffen, mit Konflikten umgehen und mit uns selbst sprechen.

Selbstführung ist kein Projektmanagement für die eigene Person. Es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess der Selbstbegegnung – mit Licht- und Schattenseiten. Nur wer erkennt, was ihn antreibt (und was ihn hemmt), kann bewusst handeln. Führung von innen heraus bedeutet, sich seiner Stärken, Schwächen und inneren Antreiber bewusst zu sein – und sie nicht länger unbewusst wirken zu lassen.

📝 Tipp:
Notieren Sie Ihre wichtigsten Werte. Wann wurden diese zuletzt verletzt – im Beruf oder privat? Solche Momente sind wertvolle Hinweise auf das, was Ihnen wirklich wichtig ist.

Struktur im Wandel: Selbstführung mit dem RADAR-Modell

Selbstführung braucht Klarheit – aber sie braucht auch Struktur. Viele Menschen spüren den Wunsch nach Veränderung, wissen aber nicht, wie sie anfangen sollen. Genau hier setzt das RADAR-Modell an: Es gibt einen klaren Rahmen vor, ohne starr zu sein. Es hilft, vom Modus des Reagierens wieder in die Selbstgestaltung zu kommen – Schritt für Schritt.

RADAR ist ein Akronym und steht für fünf aufeinanderfolgende Phasen, die im Zwei-Wochen-Rhythmus – dem sogenannten „Herzschlag“ – immer wieder durchlaufen werden. Es ist wie ein innerer Kompass, der hilft, sich nicht zu verlieren.

Die fünf Phasen im Überblick:

  1. R – Radikal Klarheit schaffen
    In dieser ersten Phase geht es darum, innezuhalten. Sie richten den Blick auf sich selbst: Wo stehe ich gerade? Was beschäftigt mich? Was fordert mich heraus – emotional, organisatorisch, zwischenmenschlich? Es ist eine ehrliche Standortbestimmung. Kein oberflächliches Check-In, sondern ein bewusster Blick auf das, was wirklich los ist.
  2. A – Auswählen, was jetzt zählt
    Der nächste Schritt ist die bewusste Entscheidung: Womit möchte ich mich in den nächsten 14 Tagen konkret beschäftigen? Welche zwei bis drei Themen verdienen gerade meine volle Aufmerksamkeit? Hier geht es nicht um ein weiteres „Abarbeiten“, sondern um Priorisierung mit Sinn. Die Frage lautet nicht: „Was muss alles erledigt werden?“, sondern: „Was bringt mich wirklich weiter?“
  3. D – Durchführen mit Fokus
    Jetzt geht es ans Tun. Diese Phase ist der Lackmustest: Bleiben die guten Absichten Theorie – oder werden sie Realität? In dieser Phase schaffen Sie sich bewusst Freiräume, blockieren Zeit im Kalender, lösen Ablenkungen auf. Ziel ist es, in eine Umsetzung zu kommen, die nicht überfordert, aber konsequent ist. Kleine Schritte, die konsequent gegangen werden, wirken oft mehr als große Pläne ohne Handlung.
  4. A – Anpassen und neu justieren
    Am Ende des Herzschlags schauen Sie zurück: Was haben Sie tatsächlich geschafft? Was hat funktioniert – was nicht? Vielleicht hat sich eine Aufgabe erledigt, ein Thema als unwichtig herausgestellt, oder neue Erkenntnisse sind hinzugekommen. Diese Phase erlaubt es, nachzusteuern, ohne sich selbst zu verurteilen. Veränderung ist nicht scheitern, sondern Weiterentwicklung.
  5. R – Reflektieren und lernen
    In der letzten Phase wird es noch einmal tief: Sie analysieren nicht nur das Ergebnis, sondern auch Ihre Muster. Was haben Sie über sich gelernt? Wo sabotieren Sie sich vielleicht noch? Was brauchen Sie, um Ihre Routinen zu stärken? Diese Reflexion ist essenziell, um aus Selbstführung echte Entwicklung zu machen.

Warum das RADAR-Modell so gut funktioniert

Was dieses Modell besonders macht: Es ist agil, praxisnah und nachhaltig. Es orientiert sich an Prinzipien, wie sie aus der Produktentwicklung oder agilen Arbeit bekannt sind – aber überträgt sie auf die persönliche Ebene.

Durch die kontinuierliche Wiederholung wird Selbstführung zur gelebten Routine. Es gibt kein „Endziel“, sondern eine dauerhafte Bewegung in Richtung mehr Klarheit, mehr Fokus und mehr Selbstverantwortung. So bleibt man nicht in Visionen stecken, sondern kommt ins Handeln – immer wieder neu, angepasst an die aktuellen Lebensumstände.

Und das Beste: Man muss nicht perfekt starten. Es reicht, anzufangen.

📝 Tipp zur Umsetzung:
Legen Sie Ihren persönlichen Herzschlag fest – z. B. immer freitags oder sonntags. Planen Sie 45–60 Minuten ein für die RADAR-Schleife. Nutzen Sie dazu ein Journal, eine Notizen-App oder einfach ein Whiteboard – was immer für Sie am besten funktioniert.

Vom Kopf in die Handlung: Lieber starten als perfekt planen

Viele Menschen scheitern nicht am Ziel, sondern am Anfang. Sie planen, analysieren, zögern – und bleiben stecken. Der Anspruch, alles im Voraus zu durchdenken, kann zur Blockade werden. Selbstführung beginnt jedoch mit Bewegung.

Der Clou am RADAR-Modell: Es erlaubt den Einstieg, ohne alles von Beginn an durchgeplant zu haben. Man darf unvollkommen anfangen. Und sollte es sogar. Denn wer wartet, bis alles klar ist, wird nie starten. Das heißt also, Sie können auch erstmal einfach nur die wichtigsten Dinge, die in den nächsten 2 Wochen anstehen fokussieren. Ein Blick in Ihr Wertesystem kann warten. Denn Klarheit entsteht im Tun – nicht im Grübeln.

📝 Tipp:
Wählen Sie zwei bis drei konkrete Themen, die Sie in den nächsten 14 Tagen bearbeiten möchten. Legen Sie los – auch wenn Sie sich noch nicht perfekt vorbereitet fühlen. Der Weg entsteht beim Gehen.

Platz schaffen: Ballast abwerfen und loslassen

Selbstführung heißt auch: sich trennen. Von Aufgaben, Erwartungen und Gewohnheiten, die nicht mehr zu einem passen. Die sogenannte Not-to-do-Liste ist ein mächtiges Werkzeug, um Klarheit zu schaffen. Sie zwingt zur Auseinandersetzung mit der Frage: Was mache ich eigentlich nur aus Pflichtgefühl? Was darf ich loslassen – ohne schlechtes Gewissen?

Loslassen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Wer bewusste Entscheidungen trifft, gewinnt Energie zurück. Und schafft Raum für das, was wirklich zählt.

📝 Tipp:
Schreiben Sie drei Dinge auf, die Sie nicht mehr tun möchten – beruflich oder privat. Hängen Sie diese Liste sichtbar auf. Und erinnern Sie sich regelmäßig daran, dass Sie die Wahl haben.

Reflexion als Führungsroutine: Das Potenzial des Journaling

Reflexion ist der Schlüssel zur Selbstentwicklung. Wer regelmäßig innehält, erkennt Muster, Zusammenhänge – und vor allem sich selbst. Journaling kann dabei ein einfaches, aber wirkungsvolles Instrument sein. Es braucht keine literarischen Texte, sondern nur wenige Minuten am Tag.

Fragen wie „Was habe ich heute geschafft?“, „Wie ging es mir dabei?“ oder „Was möchte ich morgen anders machen?“ helfen, den Alltag bewusst zu gestalten. Und wer diese Gedanken festhält, schafft ein wertvolles Archiv der eigenen Entwicklung.

📝 Tipp:
Starten Sie mit einem simplen Journal: drei Fragen, fünf Minuten täglich. Konsequent geführt, wird es zu einem Spiegel Ihrer inneren Entwicklung.

Zeit als Investition: Selbstführung ist keine Extrabelastung

Drei bis vier Stunden alle zwei Wochen – so viel Zeit kostet es, das RADAR-Modell konsequent umzusetzen. Klingt viel? Ist es nicht. Denn diese Zeit führt zu klareren Entscheidungen, weniger Ablenkung und besserer Energieverteilung. Und sie verhindert, dass Sie ständig Feuerwehr spielen, weil Ihnen die Richtung fehlt.

Selbstführung spart langfristig Zeit, weil sie bewusste Planung ermöglicht. Sie reduziert Reibungsverluste, Stress und Überforderung. Es ist ein Investment – mit hoher Rendite.

📝 Tipp:
Blocken Sie feste Zeiten für Ihre Selbstführung im Kalender. Machen Sie diese Termine unverschiebbar. Denn Sie sind es sich wert.

Fazit: Selbstführung ist die Basis für gute Führung

Wer dauerhaft unter Druck steht, verliert die Fähigkeit zu gestalten. Selbstführung ist der Weg zurück zur inneren Klarheit – und zur äußeren Wirksamkeit. Sie beginnt mit der Entscheidung, sich selbst wichtig zu nehmen. Nicht egoistisch, sondern verantwortungsvoll.

Denn Führung funktioniert nicht im Autopilot. Sie erfordert Präsenz, Reflexion – und Struktur. Das RADAR-Modell bietet genau das: einen praktischen, flexiblen Rahmen, der sowohl Orientierung gibt als auch Raum lässt für persönliche Entwicklung.

Thorsten Reitz bringt es in unserem Gespräch auf den Punkt: „Machen, tun, loslegen.“ Alles andere klärt sich im Prozess. Und genau das ist das Versprechen radikaler Selbstführung: Nicht perfekt starten – sondern endlich anfangen.


🎧 Hören Sie rein! Das ausführliche Gespräch mit Thorsten Reitz bietet viele weitere Insights und Beispiele. Zu hören in der aktuellen Folge des TPG Podcasts – ein Impulsgeber für alle, die in Krisenzeiten stark führen wollen: https://www.theprojectgroup.com/podcast-projektmanagement/radical-self-leadership

📘 Das Buch „Radical Self-Leadership“ von Thorsten Reitz und André Häusling bietet weitere Werkzeuge und Reflexionsimpulse.

💬 Was sind Ihre Routinen zur Selbstführung? Was fällt Ihnen leicht – und was schwer? Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.


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