Die PMBOK® Guide 8. Edition vom Project Management Institute (PMI)® ist jetzt seit ein paar Monaten im Rennen. Ab Juni diesen Jahres ist er die Grundlage der PMP-Zertifizierung. Deshalb klären wir heute: Was hat sich verändert, was ist besser geworden, auf was sollten Sie achten?
Direkt daran hängt die nächste Frage, die viele umtreibt: Was bedeutet der neue Stand für die PMP-Zertifizierung? Was bleibt stabil, was verschiebt sich im Anspruch – und worauf sollten sich Kandidat:innen und Organisationen jetzt einstellen?
Und schließlich sprechen wir über eine Lücke, die in vielen Unternehmen gerade sichtbarer wird: Projektgeschäft. Also Projekte als Teil eines kommerziellen Leistungsversprechens. Viele merken: Standards und Zertifizierungen helfen – aber sie decken diese kommerzielle Realität nicht vollständig ab. Genau deshalb geht es heute auch darum, warum es trotz PMBOK und PMP eine Ergänzung braucht, wenn Sie im Projektgeschäft unterwegs sind.
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Tina Ciotola
Mit Oliver F. Lehmann

Oliver F. Lehmann ist ein international tätiger Trainer für Projektmanagement mit dem Schwerpunkt auf komplexen Kundenprojekten im vertraglichen Umfeld. Als langjähriger PMP®-Experte und Trainer unterstützt er Unternehmen dabei, Projektverantwortliche für anspruchsvolle Projektumfelder zu befähigen. Darüber hinaus ist er Gründer und Präsident der Project Business Foundation, der weltweit ersten Organisation, die sich speziell dem Management von Project Business widmet. Mit seinem Engagement setzt er Impulse für mehr Professionalität, Kooperation und wirtschaftlichen Erfolg in projektbasierten Geschäftsbeziehungen.
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Relevante Links / Downloads
- Link zum PMP-Vorbereitungskurs mit Oliver F. Lehmann: https://www.theprojectgroup.com/de/pmp-seminar-vorbereitung-schulung
- Podcast zum Thema Projektgeschäft: https://www.theprojectgroup.com/podcast-projektmanagement/skills-im-kundenprojekt/
- Project Business Foundation: https://project-business.org/
- Tools & templates: https://project-business.org/tools/free-tools-and-templates/
- PBP-Zertifizierung: https://project-business.org/certification/pbp-certification/
Podcast-Zusammenfassung: PMP nach PMBOK Guide 8th Edition: Was bleibt stabil – und worauf Sie sich einstellen sollten
Mit der 8th Edition des PMBOK Guide verschiebt sich gerade etwas, das viele erfahrene Projektmanager:innen lange beschäftigt hat: Nach einer Phase, in der Prinzipien, Werte und „Value“-Denken stark in den Vordergrund gerückt sind, kehrt nun mehr Struktur und Rationalität zurück – inklusive einer vereinfachten Prozesslogik, die künftig auch wieder stärker prüfungsrelevant wird. Für viele wirkt das wie eine Korrektur: weniger „weich“, weniger lose Sammlung von Aussagen, mehr Orientierung, an der man sich im Alltag und in der Prüfung festhalten kann. Gleichzeitig bleibt ein Teil der prinzipienbasierten Denke erhalten. Es geht also nicht um ein Zurück in die Vergangenheit, sondern um ein Neu-Austarieren.
In der Podcastfolge „PMP nach PMBOK Guide 8th Edition: Was bleibt stabil – und worauf Sie sich einstellen sollten“ ordnet Oliver F. Lehmann diese Bewegung ein: Was hat zur siebten Edition geführt? Warum wirkte sie auf viele „zu fluffig“? Was bedeutet die Rückkehr von Prozessen und Performance Domains? Und welche Lücke bleibt – gerade für Organisationen, die Projekte nicht nur „intern“ abwickeln, sondern als Projektgeschäft betreiben, also unter Vertrag, mit kommerzieller Verantwortung?
1) Warum die siebte Edition viele irritiert hat – und was das für die Praxis bedeutete
Wenn Standards ihre Form ändern, trifft das selten nur Lernende. Es trifft auch Trainer:innen, Prüfungsautor:innen und Organisationen, die ihre internen Modelle darauf ausrichten. Genau hier lag ein Kernproblem: Der Wechsel zur siebten Edition sollte das Werk verschlanken. In der Praxis passierte aber etwas Paradoxes: Statt weniger Stoff entstand für viele mehr Komplexität – weil neben der siebten Edition zusätzliche Quellen weiter eine Rolle spielten. Das Ziel „Reduktion“ kippte in „mehr Material, mehr Verweise, mehr Sucharbeit“.
Hinzu kam ein didaktischer Punkt, der im Alltag oft unterschätzt wird: Lernen braucht nicht nur Inhalte, sondern Zusammenhang. Wenn Begriffe, Dokumente oder Artefakte (z. B. Projektauftrag/Project Charter) zwar genannt werden, aber ohne klare Einbettung, entsteht eine merkwürdige Leerstelle: Man erkennt, dass etwas wichtig ist – aber nicht, wann, warum und wozu man es einsetzen soll. Gerade für erfahrene PMO-Leiter:innen ist das nicht nur eine Lernfrage, sondern eine Steuerungsfrage: Ohne Struktur wird es schwer, Standards als gemeinsame Sprache im Unternehmen zu nutzen.
Entscheidend ist: Prüfungen fragen nicht einfach „Buchwissen“ ab, sondern Situationen. Trotzdem braucht jede valide Prüfungsfrage eine belastbare Referenz. Wenn das Referenzwerk zu unkonkret wirkt, entsteht Spannung: Die Prüfung will Präzision, das Buch liefert eher Prinzipien. Genau diese Reibung hat in der Welt der Zertifizierung sichtbare Folgekosten erzeugt: mehr Ergänzungsdokumente, mehr Ausweichliteratur, mehr Interpretationsspielraum – und damit auch mehr Unsicherheit für Kandidat:innen und Organisationen.
2) Was in der achten Edition „stabil“ bleibt – und was wieder greifbarer wird
Die achte Edition setzt erkennbar auf eine Verbindung beider Welten: Prinzipien und Werte verschwinden nicht, aber der Guide bringt wieder stärker eine vereinfachte Prozess- und Strukturperspektive zurück. Damit wird etwas rehabilitiert, das viele in der Praxis vermisst haben: ein Modell, das nicht nur sagt „Denken Sie an Wert“, sondern auch zeigt „So ordnen Sie Arbeit, Entscheidungen und Artefakte in einem Projekt sinnvoll an.“
Besonders relevant für erfahrene Hörer:innen: Die Rückkehr von Struktur bedeutet nicht automatisch „Wasserfall“. Im Gegenteil: Die Prozesssicht kann gerade helfen, die falsche Gleichsetzung „klassisch = starr“ aufzubrechen. Zwischen maximaler Langfristplanung und maximaler Kurzfristplanung existiert eine breite Mitte – und dort arbeiten die meisten Organisationen. Wer in Portfolios, Programmen und Lieferketten denkt, braucht genau dieses Dazwischen. Der Guide liefert dafür wieder mehr sprachliche und konzeptionelle Haltepunkte.
Ein weiterer Baustein: Die sogenannten Performance Domains tauchen als Strukturierungselemente auf, also Bereiche wie Governance, Scope, Stakeholder etc. Damit entsteht wieder ein Raster, das Organisationen für Ausbildungswege, Rollenmodelle und Assessments nutzen können. Praktisch heißt das: Sie können wieder leichter ableiten, wo eine Organisation reif ist – und wo sie nur behauptet, reif zu sein.
3) Tailoring: Maßschneidern statt Beliebigkeit – und warum genau hier die Gefahr liegt
„Tailoring“ klingt harmlos. In der Praxis ist es eine der anspruchsvollsten Kompetenzen im Projektmanagement. Denn Tailoring heißt nicht: „Jede:r macht, was er oder sie will.“ Tailoring heißt: Sie wählen bewusst – basierend auf Situation, Risiko, Lieferlogik, Teamreife und Vertragsrahmen.
Die anschauliche Metapher dazu ist Maßbekleidung: Kleidung „von der Stange“ passt irgendwie, aber selten wirklich gut. Maßarbeit passt besser – kostet aber mehr und verlangt Können. Übertragen auf Projektarbeit bedeutet das: Je konsequenter Sie Tailoring ernst nehmen, desto stärker brauchen Sie:
- Klarheit über Kontext und Constraints
- eine Bandbreite an Methoden (nicht nur ein Lieblingsframework)
- ein Entscheidungsmodell, das Konsistenz sicherstellt
- Governance, die Beliebigkeit verhindert
Gerade für PMO-Leiter:innen ist das zentral: Tailoring ohne Leitplanken führt zu Wildwuchs. Tailoring mit Leitplanken führt zu Wirksamkeit. Die achte Edition stärkt indirekt genau diese Unterscheidung, weil sie wieder mehr Struktur anbietet, in der Tailoring überhaupt sinnvoll stattfinden kann.
4) Der alte, neue Kern: Projektmanagement ist oft „dynamische Planung“ – nicht statisch, nicht hyper-agil
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Wer Prozesse betont, landet automatisch in starrer Planung. Die Praxis zeigt das Gegenteil. Gute Prozessmodelle machen Projektmanagement dynamisch, weil sie Iteration und schrittweises Herausarbeiten zulassen – jenseits der Extreme.
Die entscheidende Unterscheidung lautet nicht „agil vs. Wasserfall“, sondern:
Wie weit können Sie sinnvoll im Voraus planen, und wie viel Veränderung müssen Sie systematisch einbauen?
Für viele Projekte gilt: Sie brauchen mehr Vorhersehbarkeit als agile Methoden liefern – aber mehr Anpassungsfähigkeit als klassische Langfristplanung erlaubt. Genau diese Zone ist in den meisten Organisationen die Realität. Wenn der Standard diese Realität besser abbildet, gewinnen PMOs an Steuerungsfähigkeit: Sie können wieder differenziert diskutieren, statt in Glaubenskriegen zu landen.
5) Sollten Sie auf die 8th Edition als Zertifizierungsgrundlage warten?
Für Kandidat:innen ist die wichtigste Botschaft pragmatisch: Warten ist selten die beste Strategie. Projekte, Arbeitslast und Alltag lassen Lernpläne ohnehin regelmäßig kollidieren. Wer starten will, sollte starten – mit dem System, das aktuell gilt. Gleichzeitig müssen Organisationen und Trainingsanbieter den Wechsel sauber timen, weil sonst Kandidat:innen auf „die falsche Prüfung“ lernen.
Für Unternehmen ist der spannendere Punkt aber strategisch: Ein Standardwechsel ist eine Gelegenheit, interne Ausbildungswege, Rollenmodelle, Assessment-Kriterien und PMO-Governance zu überprüfen. Die achte Edition bietet dafür wieder mehr „Anker“, die sich in Prozesse, Templates und Entscheidungslogiken übersetzen lassen. Das hilft besonders in Organisationen, die projektorientiert wachsen und heterogene Liefermodelle managen.
6) Wichtige Zusatzqualifikation: Projektgeschäft als kommerzielle Realität
Jetzt kommt der Teil, der vielen Organisationen weh tut – weil er nicht neu ist, aber spürbarer wird: Ein großer Teil des Projektmanagements findet nicht im „internen Veränderungsprojekt“ statt, sondern im Kundenprojekt, unter Vertrag, mit Profit- und Haftungslogik. In Trainingsgruppen zeigt sich oft: Die Mehrheit arbeitet genau in diesem Modus – teilweise als Auftragnehmer, teilweise als Generalunternehmer, oft in „Sandwich“-Positionen (gleichzeitig Kunde und Lieferant).
Und doch behandeln Standards dieses Feld häufig nur am Rand – meist aus der Perspektive „Procurement“, also Einkaufssicht. Die Lieferantensicht, die wirtschaftliche Verantwortung und die Realität multipler Vertragsbeziehungen tauchen oft zu wenig auf. Genau hier entsteht ein Praxisbruch:
- Projektmanagement-Standards stärken organisatorische Kompetenz.
- Projektgeschäft verlangt zusätzlich kaufmännische und vertragliche Kompetenz.
Dieser Bruch wird in vielen Unternehmen gerade sichtbarer, weil Projekte selbst immer häufiger zum Produkt werden: Nicht „wir machen ein Projekt, um das Geschäft zu unterstützen“, sondern „das Projekt ist das Geschäft“. Outsourcing, komplexe Lieferketten und Spezialisierung verstärken das. Was früher fünf Lieferanten waren, sind heute zwanzig oder dreißig. In Megaprojekten werden es Hunderte oder Tausende.
7) Was Organisationen im Projektgeschäft zusätzlich beherrschen müssen
Aus den Erfahrungen aus Projekten lassen sich mehrere erfolgskritische Themen ableiten, die klassische Standards oft nicht ausreichend ausleuchten:
a) Vertragsverständnis als Führungsinstrument
Viele Projektmanager:innen kennen den Vertrag nicht im Detail. Das klingt banal, löst aber echte Schäden aus. Denn im Konfliktfall zählt nicht, was „gemeint“ war, sondern was vereinbart wurde – und wie Sie im Projektalltag kommuniziert, dokumentiert und eskaliert haben. Vertragskenntnis macht Projektmanager:innen nicht zu Jurist:innen, aber sie schützt vor vermeidbaren Fehlern.
b) Juristisches Grundverständnis ohne Juristenrolle
Sie müssen nicht jedes E-Mail juristisch prüfen. Aber Sie müssen wissen, wann Sie rechtliche Unterstützung an Bord holen, welche Vertragstypen welche Dynamik erzeugen und warum internationale Kontexte (z. B. unterschiedliche Rechtssysteme) das Risiko verändern.
c) Cross-Corporate Zusammenarbeit als Systemleistung
Im Projektgeschäft arbeiten Organisationen miteinander. Nicht nur Teams. Unternehmen. Das verändert die Psychologie: Es gibt Zielkonflikte, Anreizsysteme, „Wir gegen die“-Reflexe. Projekte scheitern nicht nur an Technik, sondern an Eskalationsspiralen zwischen Firmen. Erfolgreiche Projekte setzen deshalb auf Kooperationsfähigkeit, die über individuelle Soft Skills hinausgeht.
d) Sponsorship als echte Rückendeckung – nicht als Titel
Wenn kaufmännische, rechtliche oder ressourcenbezogene Grenzen erreicht sind, braucht das Projekt eine Instanz, die Entscheidungen absichert und Türen öffnet. Ohne diese Rückendeckung rutschen Teams in stillen Vertragsbruch, unrealistische Lieferzusagen oder wirtschaftliche Verluste.
e) Bruch zwischen Sales und Delivery schließen
Ein Klassiker im Projektgeschäft: Business Development „verkauft“ Rahmen und Erwartungen. Das Projektteam kommt erst danach dazu – mit einem Set an Vorgaben, das kaum erfüllbar ist. Dann verlieren Sie doppelt: entweder scheitert die Umsetzung oder die Umsetzung gelingt, aber das Projekt verliert Geld. Organisationen müssen diese Nahtstelle systematisch schließen.
Fazit
Die 8th Edition des PMBOK Guide wirkt wie ein Stabilisierungsschritt: weniger diffuse Weite, mehr strukturierte Orientierung – ohne die wert- und prinzipienbasierte Perspektive vollständig zu verlieren. Für erfahrene Projektverantwortliche ist das eine gute Nachricht, weil Standards dann wieder stärker als gemeinsame Sprache funktionieren: in Ausbildung, Governance, Portfolios und im täglichen Entscheiden.
Gleichzeitig bleibt eine zentrale Erkenntnis: Projektmanagement entwickelt sich weiter in Richtung Projektgeschäft. Projekte werden in vielen Branchen selbst zum kommerziellen Leistungsversprechen. Das erhöht die Anforderungen an Rollen, Kompetenzprofile und PMO-Modelle. Wer hier nur „organisatorisch“ ausbildet, lässt Teams in der Realität allein.
Genau diesen Spannungsbogen hat Oliver F. Lehmann in der Folge deutlich gemacht: Die Standards geben Orientierung – aber Organisationen müssen ergänzen, wenn Verträge, Haftung, Margen und Cross-Corporate-Delivery den Alltag bestimmen. Wenn Sie diese Entwicklung aktiv adressieren, gewinnen Sie nicht nur bessere Prüfungsresultate, sondern vor allem robustere Projekte: wirtschaftlich, rechtlich und menschlich tragfähig.
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