#155 Herausforderungen im Projektumfeld der Energiebranche

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Heute sprechen wir über ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: die Herausforderungen im Projektumfeld der Energiebranche. Die Energiewende, der zunehmende Regulierungsdruck und der technologische Wandel stellen Unternehmen vor enorme Umbrüche – und damit auch ihre Projektlandschaften.

Wie kann man in diesem Umfeld erfolgreich Projekte managen? Welche Kompetenzen sind gefragt, und wie verändert sich das Projektmanagement in einer Branche, die sich im permanenten Wandel befindet?

Darüber spreche ich heute mit Projektmanagement-Experten und Branchenkenner Dr. Thomas Henkelmann. Er gibt uns spannende Einblicke, wie Projekte in dieser dynamischen Branche gesteuert werden – zwischen politischem Druck, wirtschaftlichen Herausforderungen und technologischem Fortschritt.

Viel Spaß beim Zuhören!

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Und noch eine Bitte zum Schluss: Wir freuen uns, wenn Sie unseren Podcast mit 5 Sternen Bewerten und in Ihrem Netzwerk weiterempfehlen. Vielen Dank!

Tina Ciotola


Mit Dr. Thomas Henkelmann

Dr. Thomas Henkelmann war seit Mai 2004 Associate Partner bei TPG The Project Group. Seit Januar 2019 ist er geschäftsführender Gesellschafter. Seminare, Schulungen und Implementierungskonzepte für Enterprise Project Management mit Microsoft Project waren die Schwerpunkte der Tätigkeit von Dr. Thomas Henkelmann in den letzten Jahren. Jetzt liegt dieser auf Consulting und Vertrieb.

Hier geht es zum LinkedIn-Profil:
https://www.linkedin.com/in/dr-thomas-henkelmann-1263222/


Sprungmarken

00:00Intro & Einordnung: Warum die Energiebranche im Umbruch ist 01:33Wie hat sich das Projektumfeld in der Energiebranche verändert? 02:15Was sind die größten Herausforderungen für Projektmanager:innen? 03:24Wie wirken sich Energiewende & Versorgungssicherheit auf Projektziele aus? 04:32Typische Stolpersteine: Genehmigungen, Stakeholder & Politik 06:21Wie beeinflussen Förderprogramme die Projektplanung? 07:43Fehlt eine klare Strategie in der Energiebranche? 08:53Wie gelingt die Balance zwischen kurzfristigen Effizienzprojekten und langfristiger Transformation? 10:52Welche Rolle spielt Projektportfoliomanagement in dieser Dynamik? 14:11Neue Akteure & Kooperationen im Energiesektor – was verändert sich? 16:36Interdisziplinäre Zusammenarbeit: neue Rollen, neue Chancen? 19:45Was kann die Energiebranche von anderen Branchen lernen? 21:14Wo steht die Digitalisierung in der Energiebranche wirklich? 24:00Welche Rolle spielen KI & neue Technologien im Projektmanagement? 27:31Lernkultur & Wissensmanagement bei langfristigen Projekten 33:06Zukunft & Risiken des Projektmanagements in der Energiebranche

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Podcast-Zusammenfassung: Herausforderungen im Projektumfeld der Energiebranche

Warum Projektmanagement in der Energiebranche neu gedacht werden muss

Die Energiebranche steht unter enormem Druck. Sie soll die Energiewende vorantreiben, Versorgungssicherheit gewährleisten und gleichzeitig steigende regulatorische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Anforderungen erfüllen. Politische Vorgaben ändern sich teils im Quartalsrhythmus, technologische Entwicklungen beschleunigen sich rasant – und viele Projekte laufen über Zeiträume, in denen sich Marktbedingungen, Förderlogiken und politische Mehrheiten mehrfach verändern.

In der Podcastfolge „Herausforderungen im Projektumfeld der Energiebranche“ spreche ich mit Dr. Thomas Henkelmann, der seit vielen Jahren Energieversorger, Netzbetreiber und Stadtwerke bei großen und komplexen Projekten begleitet. Im Gespräch wird deutlich: Klassisches Projektmanagement stößt in dieser Branche zunehmend an seine Grenzen. Stattdessen gewinnen strategische Steuerung, Projektportfoliomanagement, Lernkultur und digitale Unterstützung massiv an Bedeutung.

Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch zusammen – kompakt, praxisnah und mit Blick auf die Realität in Unternehmen. Viel Freude beim Lesen!

Energiewende als zentraler Komplexitätstreiber

Die Energiewende ist mehr als ein politisches Ziel – sie ist der zentrale Komplexitätstreiber für Projekte in der Energiebranche. Während früher einzelne Anlagen, Leitungen oder Bauvorhaben im Fokus standen, geht es heute um hochvernetzte Energiesysteme. Strom, Wärme, Photovoltaik, Windenergie und Speicherlösungen müssen gemeinsam geplant, aufeinander abgestimmt und wirtschaftlich bewertet werden.

Hinzu kommt: Diese Systeme unterliegen unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben, Förderlogiken und technischen Abhängigkeiten. Projektziele sind damit nicht mehr statisch, sondern verändern sich im Laufe der Zeit. Neue Regularien, veränderte Marktpreise oder gesellschaftliche Erwartungen wirken direkt auf Projektprioritäten.

Für Projektmanager:innen bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Planung ist nicht mehr nur ein einmaliger Akt zu Projektbeginn, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen und flexibel nachzusteuern, wird zu einer Schlüsselkompetenz.

Projektmanagement unter permanentem Regulierungsdruck

Eine der größten Belastungen im Projektalltag ist der stetig steigende Regulierungsdruck. Projektleiter:innen sollen verlässliche Termin-, Budget- und Ressourcenpläne erstellen – häufig für Projekte mit Laufzeiten von fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahren. Gleichzeitig kommen fortlaufend neue Gesetze, Verordnungen und EU-Richtlinien hinzu, die bestehende Annahmen infrage stellen.

Das führt zu einem strukturellen Dilemma: Abweichungen von ursprünglichen Planungen sind fast unvermeidlich, werden aber dennoch kritisch bewertet – intern wie extern. Projekte geraten unter Rechtfertigungsdruck, obwohl viele Einflussfaktoren außerhalb des direkten Handlungsspielraums liegen.

Diese Situation erzeugt nicht nur organisatorische, sondern auch persönliche Belastungen. Projektmanagement wird in der Energiebranche zunehmend zu einer Rolle, die neben fachlicher Kompetenz auch hohe kommunikative und mentale Stärke erfordert.

Genehmigungen, Stakeholder und politische Unsicherheit

Typische Stolpersteine zeigen sich immer wieder in drei Bereichen: Genehmigungen, Stakeholdermanagement und politische Rahmenbedingungen.

Genehmigungsverfahren sind komplex, langwierig und schwer planbar. Unterschiedliche Behörden, Zuständigkeiten und Interessenlagen treffen aufeinander. Bürgerinitiativen, Umweltauflagen oder nachträgliche Prüfungen können Projekte erheblich verzögern – selbst dann, wenn sie fachlich gut vorbereitet sind.

Gleichzeitig wächst die Zahl der Stakeholder. Neben Auftraggebern und Behörden spielen Investoren, Kommunen, Bürger:innen und Verbände eine immer größere Rolle. Projektkommunikation wird damit zu einem eigenständigen Erfolgsfaktor, der frühzeitig und systematisch eingeplant werden muss.

Erschwerend kommt politische Unsicherheit hinzu. Förderprogramme, Ausbauziele oder Technologieentscheidungen können sich kurzfristig ändern. Für langfristige Infrastrukturprojekte stellt sich damit immer wieder die Frage: Wie belastbar sind heutige Entscheidungen für Investitionen, die sich erst in Jahrzehnten rechnen?

Kurzfristige Effizienz versus langfristige Transformation

Energieunternehmen bewegen sich permanent zwischen zwei Polen. Einerseits müssen bestehende Anlagen optimiert, Effizienzpotenziale gehoben und kurzfristige Maßnahmen umgesetzt werden. Diese Projekte liefern schnelle Effekte und sind oft wirtschaftlich gut kalkulierbar.

Andererseits stehen langfristige Transformationsprojekte an: Dekarbonisierung, Netzausbau, neue Energiequellen und Speichertechnologien. Diese Vorhaben sind kapitalintensiv, risikobehaftet und ihre Amortisation liegt oft weit in der Zukunft.

Der zentrale Konflikt: Ressourcen – Budget, Personal, Aufmerksamkeit – sind begrenzt. Ohne klare strategische Leitplanken droht ein Ungleichgewicht, bei dem entweder kurzfristige Maßnahmen dominieren oder langfristige Investitionen die Organisation überfordern.

Projektportfoliomanagement als strategischer Schlüssel

An diesem Punkt wird Projektportfoliomanagement zum entscheidenden Hebel. Es schafft Transparenz darüber, welche Projekte tatsächlich laufen, welchen strategischen Beitrag sie leisten und wie sie miteinander in Beziehung stehen.

Ein professionelles Projektportfoliomanagement ermöglicht:

  • bewusste Priorisierung statt reaktiver Einzelentscheidungen
  • flexible Reaktion auf Verzögerungen oder regulatorische Änderungen
  • eine ausgewogene Verteilung von Ressourcen über unterschiedliche Zeithorizonte

Es geht nicht mehr nur darum, Projekte effizient umzusetzen. Die zentrale Frage lautet: Machen wir die richtigen Projekte – zur richtigen Zeit und im richtigen Mix?

Neue Akteure, neue Formen der Zusammenarbeit

Die Energiebranche erlebt derzeit einen tiefgreifenden Rollenwandel. Stadtwerke entwickeln sich von klassischen Versorgern zu digitalen Dienstleistern. Start-ups bringen innovative Geschäftsmodelle ein. Tech-Unternehmen liefern Daten-, Plattform- und KI-Lösungen. Netzbetreiber sichern Stabilität und Resilienz der Infrastruktur.

Diese Vielfalt verändert die Projektarbeit grundlegend. Projekte werden interdisziplinärer, organisationsübergreifender und datengetriebener. Klassische Silos stoßen an ihre Grenzen.

Digitale Projektmanagement- und Kollaborationsplattformen ermöglichen erstmals, alle Beteiligten frühzeitig einzubinden – von Behörden über Partnerunternehmen bis hin zu Grundstückseigentümern. Das erhöht Transparenz, beschleunigt Abstimmungen und reduziert Reibungsverluste.

Digitalisierung und KI als Enabler für Steuerung und Prognose

Digitalisierung ist in der Energiebranche oft weiter fortgeschritten, als es von außen wirkt. Asset-Management-Systeme, IoT-Anwendungen und vernetzte Datenplattformen liefern detaillierte Informationen über Netze, Anlagen und Verbrauch.

Künstliche Intelligenz erweitert diese Möglichkeiten erheblich. Sie kann Muster erkennen, Szenarien simulieren und Risiken prognostizieren – etwa in der Ressourcenplanung, bei Genehmigungsrisiken oder wetterabhängigen Bauphasen.

Gerade in komplexen Projektlandschaften hilft KI, fundiertere Entscheidungen zu treffen. Wichtig ist dabei ein verantwortungsvoller Einsatz: mit klaren Governance-Regeln, Datensicherheit und nachvollziehbaren Ergebnissen.

Lernkultur und Wissensmanagement als unterschätzter Hebel

Viele Energieprojekte dauern Jahre oder Jahrzehnte. Wer erst am Projektende aus Erfahrungen lernt, verschenkt enormes Potenzial. Erfolgreiche Organisationen sammeln Lessons Learned kontinuierlich und projektbegleitend – auch dann, wenn Dinge nicht wie geplant laufen.

Das setzt eine offene Fehlerkultur voraus. Lernen funktioniert nur dort, wo Erfahrungen geteilt werden dürfen, ohne Schuldzuweisungen befürchten zu müssen. Ergänzt wird das durch Mentoring-Modelle, Erfahrungsrollen in neuen Projekten und systematisches Wissensmanagement.

Das Wissen ist meist vorhanden – verteilt in den Köpfen der Mitarbeitenden. Die Kunst besteht darin, es sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen.

Ausblick: Projektmanagement als Stabilitätsfaktor der Transformation

Dr. Thomas Henkelmann sieht die Energiebranche an einem entscheidenden Punkt. Die Komplexität wird weiter steigen, ebenso die Geschwindigkeit des Wandels. Projektmanagement wird damit zu einem zentralen Stabilitätsfaktor – für Unternehmen, Mitarbeitende und die gesamte Transformation.

Wer strategisch priorisiert, Portfolio-Transparenz schafft, Digitalisierung nutzt und Lernen ermöglicht, kann auch unter unsicheren Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben. Denn am Ende geht es nicht um perfekte Planung, sondern um die Fähigkeit, sich wirksam anzupassen.


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