Planungs-Optionen in MS Project (MS Project Tipp)

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Fluch oder Segen? Die vielfältigen Optionseinstellungen und der große Funktionsumfang von MS Project unterstützen Projektleiter bei den unterschiedlichsten Planungs- und Steuerungsaufgaben. Aber klar: Mit der Vielfalt steigt auch die Herausforderung in der Handhabung. Zum Beispiel bei den Planungs-Optionen in MS Project, wenn die Berechnungsergebnisse das eine oder andere Mal nicht den Erwartungen des Anwenders entsprechen.

In der Blogserie „Reine Einstellungssache – Die Optionen in MS Project“ bekommen Sie Tipps in Bezug auf einige zentrale Optionseinstellungend.

Im ersten Teil haben Sie gelernt, warum Sie die Kalenderoptionen in MS Project nicht verändern sollten.

Im diesem Teil erfahren Sie, wie sich die die Einstellungen der Planungs-Optionen auf das Verhalten von MS Project auswirken.

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Planungsoptionen in MS Project

Um zu den Planungsoptionen für dieses Projekt zu gelangen, klicken Sie auf den Reiter Datei und wählen Sie dort Optionen aus. Die Project-Optionen werden angezeigt. Hier wählen Sie Terminplanung.

Planungsoptionen in MS Project

Planungsoptionen für dieses Projekt

Manuell oder automatisch geplante Vorgänge

Die Möglichkeit, Vorgänge manuell zu planen (Option: Neu erstellte Vorgänge), wurde mit der MS Project Version 2010 eingeführt. Mit diesem Vorgangsmodus wollte man den Anwender den Einstieg in die Projektplanung mit MS Project erleichtern.

In diesem Modus können die Anwender Anfangs und Endtermine frei eingeben und „Excel-like“ ihren Projektplan entwickeln, ohne dass ständig im Hintergrund Berechnungen ausgeführt werden. Manuell geplant ist die Standardeinstellung von MS Project.

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Meine Empfehlung ist jedoch der Planungsmodus Automatisch geplant. Der Grund hierfür ist einfach: Wenn MS Project etwas wirklich sehr gut kann, dann ist es das Berechnen von kalendarische Anfangs- und Endterminen. Und diese unbestreitbare Stärke des Tools möchte ich nutzen. Also lasse ich MS Project rechnen.

Bitte beachten Sie, dass die Einstellungen, die Sie hier treffen nicht in Stein gemeißelt sind. Sie können den Planungsmodus im Reiter Vorgang oder direkt im Vorgang im Feld Vorgangsmodus jederzeit umstellen.

Planungsoptionen MS Project

Vorgangsmodus festlegen über das Menüband Vorgang

Planungsoptionen in MS Project

Vorgangsmodus festlegen über das Vorgangsfeld Vorgangsmodus

„Einfüge“-Datum“ für neue Vorgänge

Mit der Option Automatisch geplante Vorgänge für den Termin können Sie festlegen, zu welchen Zeitpunkt neu angelegte Vorgänge beginnen sollen. Der Vorgabewert ist der Projektanfangstermin.

Alternativ können Sie auch Aktuelles Datum wählen. Die letzte Option bietet sich für den Fall an, dass ein Projekt bereits längere Zeit läuft und Sie nun vor der Aufgabe stehen, Vorgänge neu anzulegen.

Die neuen Vorgänge beginnen dann zum aktuellen Datum. Sie müssen also nicht mehr im Projektplan hin und her scrollen, um zu diesen Vorgängen zu gelangen.

Einheiten für Dauer und Arbeit festlegen

Dass Dauer in Tagen (Option: Dauer wird eingegeben in) und die Arbeit in Stunden (Option: Arbeit wird eingegeben in:) eingegeben wird, ist ebenfalls Standard bei MS Project. Man kann die Einstellungen ändern.

Die jeweiligen Auswahllisten bieten die Einheiten Minuten, Stunden, Tage, Wochen oder Monate an.

Der Umstand, dass Dauer und Arbeit in unterschiedlichen Einheiten erfasst werden, reduziert die Verwechslungsgefahr. Letztlich bleibt es aber Ihnen als Anwender überlassen, welche Einstellungen Sie wählen.

Tipp: Es geht hier nicht um richtig oder falsch, sondern darum, welche Einstellung Sie in Ihrer konkreten Planungssituation am besten unterstützt.

Standardvorgangsart festlegen

Wie Sie die Standardvorgangsart festlegen, hängt von Ihren Präferenzen bzw. Planungsvorgehen ab und kommt zum Tragen, wenn Sie Arbeitsressourcen auf Vorgänge zuweisen.

Es gibt bei MS Project drei Vorgangsarten:

  • Feste Arbeit
  • Feste Dauer
  • Feste Einheiten (MS Project Standardeinstellung)

Wohl wissend, dass man über das Thema Vorgangsarten selbst einen oder eher mehrere Artikel schreiben könnte (oder müsste), möchte ich trotzdem versuchen, Ihnen in den folgenden Absätzen einen Überblick über das unterschiedliche Verhalten der drei Vorgangsarten zu geben.

Für die nachfolgenden Beispiele verwende ich Ressourcen, deren Max. Einheiten 100% bzw. 50% bezogen auf einen 8 Stundenarbeitstag betragen. Die Vorgänge sind nicht leistungsgesteuert.

Berechnungslogik

Das unterschiedliche Verhalten der Vorgangsarten hängt mit der Berechnungslogik in MS Project zusammen. MS Project verwendet folgende Formel bei seinen Berechnungen:

Dauer = Arbeit / (Einheiten in % * Stunden pro Tag)

Wenn die Dauer eines Vorgangs vorgegeben ist und dann eine Ressource mit festem Einheitenwert zugewiesen wird, berechnet MS Project die Arbeit. Wird einem Vorgang mit einer Dauer von 5 Tagen eine Ressource zu 100% zugewiesen, ergibt sich ein Arbeitsvolumen in Höhe von 40 Stunden.

Feste Arbeit

Feste Arbeit als Vorgabe bietet sich an, wenn Sie

  • primär Arbeitsvolumen von Vorgängen planen und möchten, dass dieses konstant bleibt,
  • die Dauer ändern oder
  • Ressourcen hinzufügen oder abziehen.

Die untenstehende Abbildung zeigt die Ausgangssituation. Anna soll 40 Stunden Arbeit in 5 Tagen erledigen.

Planungsoptionen in MS Project

Ausgangssituation bei „Feste Arbeit“

Ändert man die Dauer des Vorgangs, so bleibt das Arbeitsvolumen von 40 Stunden konstant, Anna erhält lediglich mehr Zeit, um dieses Arbeitsvolumen zu erledigen, nämlich 7 Tage.

Planungsoptionen in MS Project

Erhöhung der Dauer bei feste Arbeit

 

Kehren wir zur Ausgangssituation zurück und weisen Bernd als Unterstützung für Anna zu. In diesem Fall wird das Arbeitsvolumen von 40 Stunden auf zwei Ressourcen verteilt, die je eine Verfügbarkeit von 100% haben. Beide zusammen benötigen nur noch 2,5 Tage zur Erledigung des Arbeitsvolumens in Höhe von 40 Stunden.

Planungsoptionen in MS Project

Zuweisung einer weiteren Ressource bei feste Arbeit

Feste Einheiten

Die Vorgangsart Feste Einheiten bietet sich dann für Sie an,

  • wenn Sie Mitarbeiter immer mit einer festen Verfügbarkeit für einen Vorgang einplanen müssen und
  • dieser Einheitenwert bei Änderung der Dauer oder des Arbeitsvolumens konstant bleiben soll.

Das untenstehende Beispiel zeigt eine Zuordnung von Bernd zu 50% auf den Vorgang. In den 5 Tagen soll Bernd 20 Stunden Arbeit leisten.

Planungsoptionen in MS Project

Ausgangssituation bei „Feste Einheiten“

Erhöht man die Dauer um einen Tag auf 6 Tage, so berechnet MS Project das Arbeitsvolumen neu. Es steigt um 4 Stunden auf 24 Stunden.

Planungsoptionen in MS Project

Bild 8: Erhöhung der Dauer bei „Feste Einheiten“

Kehren wir zur Ausgangssituation zurück und reduzieren das Arbeitsvolumen von 20 auf 12 Stunden, so berechnet MS Project eine Dauer von 3 Tagen, da Bernd ja fest mit 50% (4 Stunden pro Tag) eingeplant wird.

Planungsoptionen in MS Project

Reduzierung der Arbeit bei „Feste Einheiten“

Feste Dauer

Feste Dauer ist die letzte der 3 Vorgangsarten von MS Project.

Wenn bei Ihrer Projektplanung die Zeit entscheidet ist, so bietet es sich an, mit der Vorgangsart Feste Dauer zu planen. Sie geben einen Zeitraum vor, in dem die Arbeit zu erledigen ist, ohne dass dieser Zeitraum neu berechnet wird, wenn sich Arbeitsvolumen oder die Zuweisungseinheiten ändern.

Die folgende Abbildung stellt die Ausgangssituation dar. Chris soll 20 Stunden Arbeit in 5 Tagen erledigen. Die Zuweisungswert von Chris auf den Vorgang beträgt somit 50%.

Planungsoptionen in MS Project

Ausgangssituation bei „Feste Dauer“

Erhöht man die Arbeit auf 30 Stunden, so ändert MS Project die prozentuale Zuweisung von Chris auf den Vorgang. Sie beträgt nicht mehr 50%, sondern 75% – auch wenn MS Project Ihnen diese Änderung nicht im Gantt anzeigt.

Planungsoptionen in MS Project

Erhöhung der Arbeit bei „Feste Dauer“

MS Project hat aber tatsächlich die prozentuale Zuweisung von Chris für diesen Vorgang neu berechnet.

Um Ihnen dies zu zeigen, verwende ich eine geteilte Ansicht. Im oberen Teil wird weiterhin die Gantt-Ansicht verwendet. Im unteren Teil der Ansicht habe ich Ansicht Vorgang Einsatz ausgewählt.

Zusätzlich habe ich die Spalte Zuordnungseinheiten in die Tabelle auf der rechten Seite eingefügt. Und links in der Tabelle ist die Zeile % Zuteilung eingeblendet.

Planungsoptionen in MS Project

% Zuteilung auf einen Vorgang

Sie sehen, dass MS Project in der Gantt Ansicht weiterhin 50% angezeigt. Auch die Zuordnungseinheiten im unteren linken Teil der Ansicht werden weiterhin mit 50% angegeben. Die Zuweisung auf den Vorgang selbst ist jedoch mit 75% erfolgt.

Besonderheit bei der Anzeige der Zuordnungseinheiten im Gantt-Chart

Bei dem hier beschriebenen Verhalten handelt es sich um eine Besonderheit von MS Project, die die Anwender immer wieder irritiert und sie an ihren Rechenkünsten zweifeln lässt. Letztlich rechnet MS Project zwar richtig, dennoch bleibt die Frage, warum MS Project nicht einfach den Wert in der Gantt-Ansicht anzeigt, den die meisten vermutlich erwartet hätten?

Die Erklärung ist recht einfach: MS Project zeigt in der Gantt-Ansicht den Wert an, mit dem die Ressource bei der Erstzuweisung auf den Vorgang zugewiesen wurde.

Es ist auch möglich, diesen Wert während der Planung zu verändern. Wenn Sie beispielsweise wollen, dass MS Project diesen Vorgang mit einem Zuordnungswert von 90% berechnen soll, so ändern Sie einfach den Wert in der Spalte Zuordnungseinheiten.

In unserem Fall wird die Dauer konstant gehalten (Feste Dauer) und die Arbeit neu berechnet, da jetzt mit Zuordnungseinheiten in Höhe von 90% gerechnet wird. In der Gantt-Ansicht wird ebenfalls der Wert 90% angezeigt.

Planungsoptionen in MS Project

Ändern der Zuordnungseinheiten und Anzeige im Gantt-Chart

Leistungssteuerung

Mit der Option Neue Vorgänge sind leistungsgesteuert, können Sie festlegen, ob die Arbeit eines Vorgangs konstant oder neu berechnet werden soll, wenn dem Vorgang Ressourcen hinzugefügt oder entzogen werden.

Das bedeutet bei Vorgängen der Art Feste Arbeit oder Feste Einheiten, dass bei aktivierter Leistungssteuerung sich die Vorgangsdauer

  • verkürzt, wenn eine zusätzliche Ressource dem Vorgang zugewiesen wird bzw.
  • verlängert, wenn eine Ressource abgezogen wird.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Ausgangssituation für die Vorgänge Task 1 und 2 (Zeile 1 und 2). Beide Vorgänge sind leistungsgesteuert und es gilt, jeweils ein Arbeitsvolumen in Höhe von 40 Stunden abzuarbeiten.

Planungsoptionen in MS Project

Ausgangssituation bei „Feste Arbeit“ oder „Feste Einheiten“ mit Leistungssteuerung

Weist man nun den Vorgängen je eine weitere Ressource zu, so reduziert sich logischerweise die Dauer der Vorgänge auf 2,5 Tage. Jetzt wird das Arbeitsvolumen des Vorgangs von zwei Ressourcen erledigt –  mit je 20h Arbeit pro Ressource.

Planungsoptionen in MS Project

Anpassung der Dauer bei „Feste Arbeit“ und „Feste Einheiten“ mit Leistungssteuerung

Ohne Leistungssteuerung würde MS Project bei Task 1 (feste Einheiten) die Arbeit neu berechnen. Das Arbeitsvolumen wäre dann 80 Stunden. Task 2 (feste Arbeit) ist immer leistungsgesteuert. Bei feste Arbeit lässt sich die Leistungssteuerung nicht deaktivieren.

Auch hier gilt: Die gewählte Option ist nicht richtig oder falsch, sondern richtet sich im Idealfall nach Ihren Präferenzen und Ihrer Planungssituation.

Ich persönlich deaktiviere die Leistungssteuerung immer. Das liegt vielleicht daran, dass ich mich an diese Einstellung in den vielen Jahren, in denen ich mit MS Project arbeite, schlicht gewöhnt habe.

Automatisches Verknüpfen von Vorgängen

Mit Hilfe der Option Eingefügte oder verschobene Vorgänge automatisch verknüpfen können Sie dafür sorgen, dass Vorgänge in Ihrem Projektplan automatisch verknüpft werden.

In der Ausgangssituation sind die Vorgänge Task 1, 2 und 3 (Zeile 1, 2 und 3) bereits miteinander verknüpft.

Planungsoptionen in MS Project

Ausgangssituation für automatisches Verknüpfen

Fügt man einen neuen Vorgang Task 4 hinzu, so wird dieser automatisch verknüpft.

Planungsoptionen in MS Project

Neuen Vorgang anlegen

Planungsoptionen in MS Project

Automatisches Verknüpfen eines eingefügten Vorgangs

Diese Option deaktiviere ich in meinen Projektplänen.

Ich bin der Meinung, dass sich Vorgangsanordnungen aus dem Inhalt der Aufgabe ergeben sollen und nicht, weil es einen Automatismus gibt. Wenn eine Schulung durchzuführen ist und es noch keine Schulungsunterlagen gibt, so ergibt sich zwangsläufig die Abfolge der Vorgänge – zuerst sind die Schulungsunterlagen zu erstellen und erst dann kann die Schulung durchgeführt werden.

Letztlich ist aber immer der Projektleiter für die Planung verantwortlich. Er muss folglich – auch wenn dieser Automatismus aktiviert ist – die automatisch gesetzten Vorgangsanordnungen auf ihre inhaltliche Richtigkeit prüfen.

Automatisches Unterbrechen von Vorgängen

Die Option Angefangene Vorgänge automatisch unterbrechen ist im Zusammenhang mit dem Fortschreiben des Projektplans sehr wichtig. Ist die Option aktiviert, werden Vorgänge beim Fortschreiben des Projekts unterbrochen, wenn sie noch nicht abgeschlossen sind.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Vorgang geplant, der am 10.07.2017 beginnt und am 14.07.2017 endet. Zum Statusdatum 16.07.2017 aktualisieren Sie ihr Projekt.

Von der zuständigen Mitarbeiterin Anna haben Sie die Statusinformation erhalten, dass sie am 10.07.2017 mit der Arbeit begonnen hat, aber nur 3 Tage an der Aufgabe arbeiten konnte.

Sie erfassen also einen Fortschritt 60% im Feld % Abgeschlossen. In der Spalte Unterbrechungstermin, die ich zur Verdeutlichung eingeblendet habe, wird der 12. Juli 2017 als Unterbrechungsdatum angezeigt, da Anna am 10., 11. und 12. Juli gearbeitet hat.

Planungsoptionen in MS Project

Ausgangsituation für automatisches Unterbrechen

Wenn Sie das Projekt mit Hilfe der Funktion Projekt aktualisieren zum Statusdatum 16.07.2017 fortschreiben, so wird der Vorgang unterbrochen.

Das bedeutet, dass die Arbeit, die vor dem 16.07.2017 nicht erledigt wurde, in den Zeitraum nach dem 16.07.2017 verschoben wird. Die Unterbrechung wird in Form der gepunkteten Linie angezeigt. Da es Sinn der Projektfortschreibung ist, nicht erledigte Arbeit in der Vergangenheit in die Zukunft zu verschieben, habe ich diese Option immer aktiviert.

Planungsoptionen in MS Project

Automatisches Unterbrechen von Vorgängen bei Projektaktualisierung

Ist die Option deaktiviert, so wird in der Spalte Unterbrechungstermin auch der 12.07.2017 angezeigt. Wird das Projekt jedoch aktualisiert, wird der Vorgang aber nicht unterbrochen. Er verharrt also in seiner ursprünglichen Position.

Manuell geplante Vorgänge aktualisieren (Bearbeiten von Links)

MS Project bietet die Möglichkeit, dass manuell geplante Vorgänge beim Verknüpfen aktualisiert werden (Option: Beim Bearbeiten von Links manuell geplanter Vorgänge aktualisieren). Das bedeutet, dass die Anfangs- und Enddaten eines manuell geplanten Vorgangs angepasst werden.

Ob man diese Option aktiviert oder nicht, hängt stark davon ab, welchen Planungsmodus man nutzt. Plant man sein Projekt mit manuell geplanten Tasks, so kann das Aktivieren dieser Option sinnvoll sein.

Im nachfolgenden Beispiel wurden 2 Vorgänge manuell geplant und deren von Anfangs- und Endtermine festgelegt.

planungsoptionen in MS Project

Ausgangssituation für Beim Bearbeiten von Links manuell geplanter Vorgänge aktualisieren

In dem Moment, in dem Sie den Vorgang Task 1 (Zeile 1) zum Vorgänger von Task 2 (Zeile 2) machen, weil inhaltlich eine Vorgänger-Nachfolgerbeziehung vorliegt, verschiebt MS Project den Vorgang um 3 Tage nach hinten. In diesem Fall unterstützt das Aktualisieren Sie bei der Planung.

Planungsoption in MSProject

Anfangsdatum wird bei Verknüpfung neu berechnet

 

Ist die Option deaktiviert, so wird der Vorgang Task 2 (Zeile 2) trotz der gesetzten Verknüpfung nicht verschoben. MS Project weist Sie jedoch daraufhin, dass der Terminplan so nicht stimmen kann. Das Enddatum vom Task 2 (Zeile 2) wird rot unterstrichen und im Gantt-Chart wird der obere und untere Rand des Balkens gepunktet dargestellt.

Planungsoptionen in MS Project

Anfangsdatum wird bei Verknüpfung nicht neu berechnet

Verwenden Sie hauptsächlich automatisch geplante Vorgänge? Dann wollen Sie vermutlich, dass MS Project bei der Anlage von Vorgangsbeziehungen Anfangs- und Endtermine neu berechnet. Wollen Sie das nicht, dann deaktivieren Sie die Option und arbeiten mit manuell geplanten Vorgängen.

Einschränkungstermine beachten

Auch diese Einstellung (Option: Vorgänge beachten stets ihre Einschränkungstermine) hat erhebliche Auswirkungen auf Ihren Projektplan.

Ist diese Option aktiviert, so wird die gesetzte Einschränkung immer beachtet. Für den Vorgang Task 2 (Zeile 2) habe ich über den Dialog Informationen zum Vorgang eine Vorgangseinschränkung Muss anfangen am gesetzt.

Der Anfangstermin wird nicht angepasst, obwohl der Vorgänger erst am 21.07.2017 endet. In der Informationsspalte sehen Sie ein Kalendersymbol, dass Sie auf die vorliegende Einschränkung hinweist.

Planungsoptionen in MS Project

Endtermin wird beibehalten bei gesetztem Einschränkungstermin

Wird die Option deaktiviert, so ergibt sich ein vollkommen anders Bild. Der Anfangstermin von Task 2 (Zeile 2) wird neu berechnet, der Vorgang verschiebt sich nach hinten.

In der Informationsspalte erscheint das Kalendersymbol mit einen Warnsymbol, das Sie darauf aufmerksam macht, dass der berechnete Anfangstermin, 24.Juli, dem Einschränkungstermin für den Anfang, 17. Juli, widerspricht.

Planungsoptionen in MS Project

Endtermin wird neu berechnet trotz gesetzter Einschränkung

Da üblicherweise Einschränkungstermine in der Terminplanung aus guten Grund gesetzt werden und deshalb auch beachtet werden sollen, empfehle ich die Option immer zu aktivieren.

Geschätzte Dauern

Das Aktivieren der Optionen Anzeigen, dass Dauern von Vorgängen geschätzt sind und Neue geplante Vorgänge haben geschätzte Dauer ist dafür verantwortlich, dass bei automatisch geplanten Vorgängen das berühmte Fragezeichen im Feld Dauer angezeigt wird. Das Fragezeichen wird solange angezeigt, bis Sie die Dauer eines Vorgangs erstmalig editieren.

Im Falle manuell geplanter Vorgänge erscheint das Fragezeichen in der Spalte Vorgangsmodus. Das Fragezeichen erscheint nicht mehr, wenn Sie die Dauer des Vorgangs editieren oder einen Anfangs- und einen Endtermin für den Vorgang erfassen.

Planungsoptionen in MS Project

Vorgänge mit geschätzter Dauer

Ich persönlich deaktiviere diese beiden Optionen, da Vorgangsdauern in einem Projektplan per se geschätzt sind.

Ob man nun die Optionen aktiviert oder deaktiviert ist reine Geschmacksfrage. Und über Geschmack sollte man ja bekanntlich nicht streiten.

Vorgang am nächstgelegenen Arbeitstag halten

Diese Option (Option: Beim Wechsel zum automatischen Planungsmodus Vorgang am nächstgelegenen Arbeitstag halten) wirkt sich immer dann aus, wenn Sie einen Vorgang manuell geplant haben und dessen Anfang- oder Endtermin auf einen arbeitsfreien Tag gelegt haben.

In der abgebildeten Ausgangssituation beginnt

  • der Vorgang Task 1 (Zeile 1) am Sontag, den 16. Juli.
  • Der Vorgang Task 2 (Zeile 2) wurde so geplant, dass er am Sonntag, den 23. Juli, endet.
  • Die Option Beim Wechsel zum automatischen Planungsmodus Vorgang am nächstgelegenen Arbeitstag halten ist aktiviert.
  • Der Projektstarttermin ist der 10. Juli.
Planungsoptionen in MS Project

Ausgangsituation für den Wechsel von manuell zu automatisch geplant

Wenn Sie den Planungsmodus der Vorgänge auf automatisch geplant ändern, so beginnt:

  • Task 1 jetzt am Montag, den 17.Juli. Das ist der nächstgelegene Arbeitstag für den Start des Vorgangs.
  • Bei Task 2 verschiebt sich das Ende auf den 24. Juli. Das ist der nächst gelegene Arbeitstag für das Ende dieses Vorgangs.

Beachten Sie bitte unbedingt, dass in beiden Fällen eine Vorgangseinschränkung Anfang nicht früher als gesetzt wurde.

Planungsoptionen in MS Project

Neuer Anfangs- bzw. Endtermin beim Wechsel zu automatisch geplant

Für den Fall der Deaktivierung der Option würden beim Ändern des Planungsmodus von manuell auf automatisch geplant beide Vorgänge am 10. Juli, dem Projektstarttermin, beginnen.

Planungsoptionen in MS Project

Projektstarttermin beim Wechsel zu automatisch geplant

Zusammenfassung

Wie Sie gerade an den zuvor gezeigten Beispielen gelernt haben, stehen Ihnen die unterschiedlichsten Planungsoptionen in MS Project zur Verfügung. Beachten Sie beim Umgang mit den Optionen folgende Punkte:

  1. Die in den Planungsoptionen für dieses Projekt eingestellten Werte bestimmen das prinzipielle Verhalten und die Berechnungsergebnisse (Grundeinstellungen).
  2. Wenn nötig können Einstellungen jederzeit direkt in den Optionen geändert oder eine abweichende Einstellung für Vorgänge vorgenommen werden.
  3. Um die Berechnungsergebnisse und das Verhalten von MS Project nachvollziehen zu können, ist es wichtig zu wissen, welche Planungsoptionen eingestellt sind.

Hat Ihnen der MS Project Tipp weitergeholfen? Welche Erfahrungen haben Sie mit den Optionseinstellungen in MS Project gemacht? Wir freuen uns über Ihren Beitrag.


Von Martin Gösse, PMP

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2 Kommentare

  1. Hallo,
    ich sehr interessanter Beitrag.
    Ich habe nur eine Frage zu den Verknüpfungen.
    Mein Chef sagt immer, möglichst so viele Verknüpfungen wie möglich. Ich glaub am liebsten würde er jeden Vorgang mit jedem anderen Vorgang verknüpfen. Er begründet dies mit der eventuellen Veränderung im Projekt. Das ich zum Beispiel einen Vorgang früher als geplant durchführe und dann vielleicht der Vorgänger zum Nachfolger wird und dann nicht alle danach auch sich verschieben.
    Ich bin der Meinung, nur so viele Verknüpfungen wie nötig um den logischen Aufbau des Projektes zu sehen. Bei Änderungen von einzelnen Vorgängen muss halt die Verknüpfung angepasst werden.

    Was denken Sie ?

    • Martin Gösse am

      Hallo Matthias,

      eine interessante Frage und eine mir wahrlich nicht Unbekannte!
      Ihr Chef hat im Prinzip recht. Es gibt eine goldene Regel, die wie folgt lautet:

      • Jeder Vorgang in einem Projekt hat mindestens einen Vorgänger und einen Nachfolger.
      • Der Projektstart-Meilenstein hat jedoch nur Nachfolger
      • Der Projektende-Meilenstein hat jedoch nur Vorgänger

      Hierzu folgende Anmerkung: Ich persönlich bin ein Freund der „reinen“ Lehre und verknüpfe immer nur Meilensteine und Vorgänge – also keine Sammelvorgänge, da sich deren Berechnung aus den ihnen untergeordneten Vorgänge automatisch ergibt. Hier gibt es aber auch andere Ansätze, wie zum Beispiel das „Blackbox-Prinzip“, das mein Kollege Steffen Reister beschreibt (siehe hierzu: https://www.youtube.com/watch?v=faYOdMjQef8&list=PL5hAt2Hk6sY4uwkicAgiExywYojSn9xZc&index=3 und https://www.youtube.com/watch?v=bDqqp3Xih1k&list=PL5hAt2Hk6sY4uwkicAgiExywYojSn9xZc&index=6)

      Die zuvor genannte Regel hat aber vor allem einen ganz zentralen Aspekt: Es geht darum offene Ende bei Vorgängen zu vermeiden. Wenn also alle Vorgänge einen Nachfolger haben, haben auch alle Vorgänge einen Vorgänger. Somit ist sichergestellt, dass sich die Anfangs- und Enddaten der Vorgänge automatisch berechnen und auch automatisch angepasst werden, wenn es zu Verschiebungen bei den Vorgängern kommt. Und das bspw. die Grundvoraussetzung für die Ermittlung des kritischen Pfads.

      Welche Vorgänge verbunden werden, ergibt sich primär aus der sachlich notwendigen Abfolge. Sie können die Dachziegel eines Hauses erst dann verlegen, wenn der Dachstuhl vorhanden ist. Für die Verknüpfungen sind diese Aspekte entscheidend. Natürlich kann es Vorgänge geben, die quasi nebenher gemacht werden können. Aber auch diese Vorgänge müssen irgendwann abgearbeitet und vor allem abgeschlossen werden. Wenn keine zwingend sachliche Verknüpfung zu anderen Vorgängen vorliegt, so kann man zumindest den Projektstart-Meilenstein (oder Phasenstart-Meilenstein) als Vorgänger definieren und entsprechend den Projektende-Meilenstein (Phaseende-Meilenstein) als Nachfolger. Zur zeitlichen Positionierung im Projektablauf können Sie dann eine Einschränkung setzten, bspw. Start nicht früher als.

      Es geht nicht darum alles mit allem irgendwie zu verknüpfen, sondern darum, dass man die sachlich zwingenden Vorgangsreihenfolge beachten und offene Ende vermeiden sollte.

      Viele Grüße aus München
      Martin Gösse

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