Agiles Projektmanagement: Brauchen Sie Zertifizierungen in agilen Methoden?

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+++ Welche agile Zertifizierung passt zu mir? +++ Was kostet das? +++ PMI Agile Certified Practitioner (PMI-ACP), Certified Scrum Master (CSM) und Professional Scrum Master I (PSM I) im Überblick +++

von Antje Lehmann-Benz (MA, PMP, PMI-ACP, PSM)

Unsere Welt wird immer komplexer, vernetzter und dynamischer. Entwicklungen lassen sich zunehmend schwer vorhersehen. Agiles Projektmanagement wird daher immer wichtiger und damit auch die passenden Methoden.

Aber wie Sie wissen: Kein Projekt ist wie das andere. Agile Herangehensweisen lassen sich nicht immer und unbedingt auf alle Projekttypen anwenden.

Stattdessen braucht es mehr Innovationskraft und Kreativität. Die Projektarbeit benötigt einen klareren Fokus auf den Geschäftswert sowie kürzere, aber dennoch solide Planungshorizonte. Dass Unternehmen diesen Wechsel vollziehen, zeigt sich unter anderem darin, dass neue agile Berufsbilder entstehen und gesucht werden.

Dieser Beitrag bietet Ihnen einen Überblick über die drei, unserer Meinung nach, wichtigsten agilen Zertifizierungen:

  • Certified Scrum Master (CSM)
  • Professional Scrum Master I (PSM I)
  • PMI Agile Certified Practitioner (PMI-ACP)

Sie erfahren, warum Scrum-Zertifizierungen für Einsteiger in die agilen Methoden sinnvoll sind. Sie lernen mit dem PMI-ACP eine Zertifizierung für fortgeschrittene agile Projektmanager kennen. Und: Sie erhalten einen Überblick über die Voraussetzungen und Kosten für diese agilen Zertifikate.

Was können agile Methoden im Projektmanagement bieten?

Agile Vorgehensweisen wurden für hochkomplexe, dynamische Umgebungen besonders in der Softwarebranche entwickelt. Sie erfreuen sich aber auch in anderen Bereichen steigender Beliebtheit.

Agile Methoden werden besonders in Projekten eingesetzt, die zu Anfang sehr unklare Anforderungen haben und in denen häufige Änderungen abzusehen sind. Oft gibt es sogar nicht mehr als nur eine Vision. Diese soll dann auf innovative Weise vom Team umgesetzt werden.

Wenn die Anforderung unklar sind und Änderungen an der Tagesordnung, sind agile Methoden oft erfolgreicher als klassisches Projektmanagement.

Kompakte Fokusteams arbeiten dabei für die Projektdauer eng an der Verwirklichung und Konkretisierung dieser Ziele zusammen. Dies erfolgt immer in kurzen Zeitabschnitten mit aufeinander aufbauenden Ergebnissen.

Die Teams genießen ein hohes Maß an Autonomie und stehen im regelmäßigen Austausch mit allen Projektbeteiligten, um dennoch auf Kurs zu bleiben.

Außerdem wenden die Teams Techniken zum Erhöhen von Transparenz nach außen und Teamzusammenhalt nach innen an.

Unterstützer wie Scrum Master helfen den Teams, Herausforderungen zu meistern, und der Organisation, den Reifegrad in der Anwendung agiler Methoden zu erhöhen.

Das agile Manifest fasst zusammen, worauf es allen agilen Methoden ankommt.

Scrum ist der bekannteste und weltweit am häufigsten angewandte agile Ansatz.

Aufgrund der hohen Flexibilität seiner Rahmenbedingungen ist gerade agiles Projektmanagement mit Scrum besonders gut auch außerhalb der Softwarebranche anwendbar.

Neue Berufsbilder durch agiles Projektmanagement

Wussten Sie, dass sich ‚Scrum Master‘ und vermehrt auch ‚Product Owner‘ zur eigenständigen Berufsbezeichnung mausern?

Vom Namen einer Rolle im Scrum-Team kommend, werden diese Begriffe immer häufiger in Stellenanzeigen explizit ausgeschrieben. Und Firmen nehmen diese Bezeichnungen in die Karrierepfade für die Mitarbeiter auf.

Wie in jedem Bereich zählt hier natürlich die Erfahrung eines Kandidaten. Sie darf auf keinen Fall unterschätzt werden.

Scrum Master brauchen in ihrer hochgradig vermittelnden und unterstützenden Rolle neben genug Berufserfahrung zudem:

  • gute Menschenkenntnis
  • Feingefühl
  • Moderationsfähigkeit
  • Konfliktlösungskompetenz

Warum sind Scrum-Zertifizierungen sinnvoll?

Rund um Scrum gibt es viele Missverständnisse. Die erfolgreiche Einführung der Methoden hängt auch stark vom Wissensschatz der Beteiligten ab.

Daher können Grundlagen-Zertifizierungen wie etwa der „Professional Scrum Master I“ von Scrum.org oder der „Certified Scrum Master“ von der Scrum Alliance sehr hilfreich sein.

Diese beiden Zertifizierungen sind für Einsteiger in die agilen Methoden gedacht.

Warum sind diese Zertifizierungen sinnvoll?

Zunächst signalisieren die Inhaber der Zertifikate, dass sie die Grundprinzipien des Scrum Framework verstanden und dies in einer Prüfung unter Beweis gestellt haben.

Außerdem zeigen Sie durch eine der oben genannten Zertifizierungen die Bereitschaft:

  • in einer solchen Rolle andere zu führen und unterstützen,
  • der Organisation bei der Umsetzung von Scrum zu helfen und
  • selbst mehr Erfahrung mit Scrum sammeln zu wollen.

Der letzte Punkt ist besonders wichtig, wenn Sie selbst noch am Beginn einer Scrum-Karriere stehen.

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Bild: Zahlen und Fakten zum Scrum Guide

Vorbereitung auf die Scrum-Zertifizierungen

Voraussetzungen in Bezug auf bereits gesammelte Berufserfahrung gibt es für die beiden Zertifizierungen „Professional Scrum Master I“ und „Certified Scrum Master“ nicht (siehe Tabelle am Ende des Artikels).

Aber die Prüfung zum Professional Scrum Master I ist recht anspruchsvoll. Um sicherzugehen ist es daher ist es eine gute Idee, sich in einem Professional Scrum Master Seminar darauf vorzubereiten.

Durch die agile Zertifizierung signalisieren Sie als angehender oder bereits aktiver Scrum Master, dass Sie die relevanten Inhalte des Scrum Guides und weitere Literatur gelernt und dieses Wissen in einer Prüfungssituation unter Beweis gestellt haben.

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Bild: Das Zertifikat für Professional Scrum Master I von scrum.org

Weitere agile Methoden und Ansätze

Ein hervorragender Scrum Master verengt den Blick nicht auf Scrum allein. Es gibt eine Vielzahl agiler Methoden und Ansätze. Sie können miteinander kombiniert werden und haben viele Aspekte gemeinsam. Beispielsweise basieren viele Methoden auf:

  • ein vertrauendes und offenes Menschenbild oder
  • einer iterativ-inkrementelle Arbeitsweise.

Außerdem gibt es Umfeld-Themen in Organisationen, denen agile Methoden oft weniger Beachtung schenken. Hier sind beispielsweise zu nennen:

  • Portfoliomanagement
  • Ressourcenmanagement
  • Projektauswahlmethoden
  • Organisationsstrukturierung etc.

Scrum ermöglicht eine Kombination aus vielen verschiedenen agilen Methoden und Ansätzen.

All dies führt nun von der Produktentwicklung auf Einzelteamebene, für die Scrum primär entwickelt wurde, zurück zu Projektmanagement-Themen. Dies erfordert einen ganzheitlicheren und eher übergeordneten Blick auf die Themen.

Hier kommt der PMI-ACP® („Project Management Institute Agile Certified Practitioner“) ins Spiel.

Project Management Institute Agile Certified Practitioner

Das PMI-ACP-Zertifikat ist für Personen gedacht, die bereits (agile) Projekterfahrung vorweisen können. Es hat den Anspruch, die Ideen aller agilen Methoden zu sammeln und standardisiert zusammenzufassen.

Dies ist ein Ziel, mit dem es das Project Management Institute (PMI)® durchaus ernst meint: So wurde sein Standardleitfaden für die Projektmanagementbranche, der „Guide to the Project Management Body of Knowledge“ (PMBOK® Guide) in seiner aktuellen 6. Ausgabe im September 2017 als Bundle zusammen mit dem komplett neuen Agile Practice Guide herausgebracht.

Agile Practice Guide

Der Agile Practice Guide enthält, neben Betrachtungen zu einzelnen agilen Methoden, auch Leitfäden und Hilfestellungen für situative Methodenauswahl sowie Brückenschläge zu klassischen Projektmanagement-Methoden.

Diese werden immer noch sehr dringend benötigt an all den Punkten, an denen agile Ansätze bei der Problemlösung nicht ausreichend dienen können.

PMBOK Guide 6th edition

Die Inhalte des Agile Practice Guides sind aus einer Zusammenarbeit des PMI mit der Agile Alliance (ein Zusammenschluss vieler Förderer der agilen Ideen und nicht zu verwechseln mit der Scrum Alliance) entstanden.

Dies signalisiert eine solide Expertenbasis für den neuen Agile Practice Guide.

Ab Ende März 2018 wird dieser Guide auch die offizielle Prüfungsreferenz für den PMI-ACP sein – aber nur als eine von vielen relevanten Quellen aus dem Katalog agiler Literatur.

Die Popularität des Agile Certified Practitioner Zertifikats steigt in letzter Zeit stark an. Und der Bedarf an qualitativ hochwertigem Material zur Prüfungsvorbereitung ist vorhanden.

Immerhin hilft der Agile Practice Guide Prüfungskandidaten aber dabei, die Perspektive des PMI auf agiles Projektmanagement besser einordnen zu können sowie die vorgestellten Methoden in der Praxis anzuwenden.

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Bild: Das PMI Agile Certified Practitioner (PMI-ACP) Zertifikat

Kombination von PMI-ACP mit der PMP-Zertifizierung

Der PMI-ACP eignet sich übrigens sehr gut als Kombi-Zertifikat zum klassischeren PMP® (Project Management Professional) des PMI.

Für eine Kombination spricht auch, dass die Prüfungsvoraussetzungen für Halter des PMP® -Zertifikats leichter zu erfüllen sind. Wenn Sie also PMP sind, dann müssen Sie keine zusätzliche Projekterfahrung nachweisen. In Bezug auf agile Projekterfahrung und Training gilt dies allerdings nicht. Nachweise dazu werden nach wie vor von allen Kandidaten verlangt.

Übersicht der wichtigsten agilen Zertifizierungen

Im Folgenden finden Sie die in diesem Artikel erwähnten agilen Zertifikate noch einmal gegenübergestellt. Am Ende gibt es auch eine tabellarische Zusammenfassung als Bild.


PMI Agile Certified Practitioner (PMI-ACP)
Aussteller des Zertifikats: Project Management Institute

Voraussetzungen:

  • 2000 Stunden Projekterfahrung (entfällt für PMP-Zertifikatsträger)
  • 1500 Stunden Erfahrung in agilen Umgebungen
  • 21 Stunden Training in agilen Methoden

Art der Prüfung: Vor Ort im Test-Center; 120 Multiple-Choice-Fragen mit vier Antwortoptionen und je einer richtigen Antwort, zu beantworten in 3 Stunden

Passing Score (Anteil benötigter richtiger Antworten): Geheim (geschätzt auf ca. 70 %)

Kosten für Prüfung: $ 435 (PMI® Mitglieder, etwas höher für Nichtmitglieder)

Gültigkeit: 3-Jahres-Zyklus (30 Professional Development Units – PDUs müssen in diesem Zeitraum in agilen Arbeitsumgebungen und/oder Aktivitäten erarbeitet sein.)

Zweck: Standardisierung möglichst vieler agiler Methoden

Zielgruppe: Personen, die ihre Erfahrung mit agilen Methoden und ihr Verständnis davon verbessern und unter Beweis stellen möchten


Certified Scrum Master (CSM)
Aussteller des Zertifikats: Scrum Alliance

Voraussetzungen: Absolvierung eines 2-tägigen Seminars durch einen speziell autorisierten Trainer, nicht länger zurückliegend als 90 Tage vor der Prüfung

Art der Prüfung: Online; 35 Multiple-Choice-Fragen, zu beantworten in 1 Stunde

Passing Score (Anteil benötigter richtiger Antworten): 68,6%

Kosten für Prüfung: Prüfung nur erhältlich nach Seminarbuchung und in Seminarkosten enthalten

Gültigkeit: 2-Jahres-Zyklus (Rezertifizierung danach online für 100 $)

Zweck: Klarstellung und Förderung von Scrum

Zielgruppe: Personen, die einen ersten Schritt hin zur Beherrschung von Scrum machen möchten


Professional Scrum Master I (PSM I)
Aussteller des Zertifikats: Scrum.org

Voraussetzungen: Keine formalen (tiefes Verständnis des Scrum Guides zum Bestehen notwendig; Probeprüfung „Scrum Open” gibt es auf scrum.org)

Art der Prüfung: Online; 80 Multiple-Choice-Fragen mit unterschiedlich vielen Antwortoptionen und einer oder mehreren richtigen Antworten, zu beantworten in 1 Stunde

Passing Score (Anteil benötigter richtiger Antworten): 85%

Kosten für Prüfung: 150 $

Gültigkeit: Unbegrenzt

Zweck: Klarstellung und Förderung von Scrum

Zielgruppe: Personen, die einen ersten Schritt hin zur Beherrschung von Scrum machen möchten


Professional Scrum Master I (PSM I)

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Zusammenfassung

In diesem Artikel haben Sie erfahren, was agile Methoden allgemein sind und wo ihre Anwendung vorteilhaft sein kann. Ein besonderer Fokus wurde auf Scrum gelegt.

Außerdem haben Sie diese drei gängigen Zertifizierungen kennengelernt:

  • PMI Agile Certified Practitioner (PMI-ACP),
  • Certified Scrum Master (CSM) und
  • Professional Scrum Master I (PSM I)

Damit können Sie nun besser einschätzen, welcher Weg für Sie persönlich oder für Ihre Mitarbeiter am sinnvollsten ist.

Was halten Sie von agilen Zertifizierungen? Sagen Sie uns Ihre Meinung mit einem Kommentar unten. Oder stellen Sie uns dort auch Fragen, die Sie haben.


[P.S. „PMI“, „PMP“, „CAPM“, „PMBOK“, and the Registered Education Provider Logo are registered marks of Project Management Institute, Inc.]



Sehen Sie hier ein Video zu agilen, klassischen und hybriden PM-Methoden.

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