PMP Rezertifizierung – so funktioniert’s (Update 2018)

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+++ Was Sie über das Sammeln von PDUs wissen sollten  +++ 

Von Oliver F. Lehmann (PMP)

Zertifizierungen wie der Project Management Professional (PMP®) unterscheiden sich stark von akademischen Graden, wie Bachelor-, Master- oder Diplomabschlüssen oder gar einem Doktortitel.

Sie sind erst mal nur auf Zeit angelegt und dienen damit vor allem als Beleg für die aktuelle Qualifizierung, weniger für eine Zielerreichung, die Jahre, vielleicht schon Jahrzehnte, zurückliegt.

Während man früher einen Beruf typischerweise auf Lebenszeit ausgeübt hat, arbeiten heute viele Berufstätige nur über ein paar Jahre in einem Beruf, um dann in einen anderen zu wechseln.

Die professionelle Zertifizierung ist eine Form von Berufsabschluss, die gut in die Schnelllebigkeit unserer Zeit passt. Die zeitliche Befristung signalisiert die Aktualität der Qualifizierung, aber auch, dass die zertifizierte Person etwas für ihre berufliche Entwicklung getan hat.

Zertifizierte Personen müssen sich immer wieder um den Erhalt ihrer Qualifizierung Gedanken machen, wollen sie verhindern, dass die Zertifizierung irgendwann verfällt

Das „Continuing Certification Requirements“ Programm

Im Fall der PMP-Zertifizierung muss dafür zum Glück keine neue Prüfung abgelegt werden. Allerdings muss man im 3-Jahresrythmus Punkte sammeln, sogenannte PDUs, um den Status zu verlängern.

Das Programm, innerhalb dessen die PDUs gesammelt und beim PMI® eingereicht werden müssen, nennt sich Continuing Certification Requirements bzw. Continuing Certification Requirements System (Zugang via PMI-Login). Die folgende Abbildung zeigt das Überblicksfenster des CCRS mit meinen aktuellen Daten als Beispiel:

PMP Rezertifizierung

Abbildung 1: Das Dashboard des CCRS (PMI, 2018)

Aus dem Dashboard lässt sich ablesen, wie der aktuelle und der künftige Zyklus aussieht:

  • Aktueller Zyklus: Mein derzeitiger CCR-Zyklus beispielsweise, in dem ich die 60 PDUs sammeln muss, läuft seit dem 2. Februar 2017 und endet am 1. Februar 2020.
  • Ich bin „in good standing“, d.h. ich habe im letzten CCR-Zyklus meine 60 Punkte zum Statuserhalt gesammelt und eingereicht („geclaimt“).
  • PDUs für den nächsten Zyklus: Für den darauf folgenden 3-Jahreszyklus, der am 2. Februar 2020 beginnt, hatte ich bereits am 2. März 2017 die benötigten 60 PDUs gesammelt und beim PMI eingereicht.
  • Alle Claims (~ Einreichungen) von PDUs sind auch genehmigt worden. Das heißt, keine PDUs wurden abgewiesen oder sind offen.

Ich bleibe jetzt also sicher bis 1. Februar 2023 PMP-zertifiziert, zumindest, sofern ich nicht gegen den „Code of Ethics and Professional Conduct“ verstoße.

Achtung: Bei Fragen zu den eingereichten PDUs bleiben diese offen. Sie werden erst nach zufriedenstellender Beantwortung durch das PMI akzeptiert und sind auch dann erst gültig.

Was man in Abbildung 1 ebenfalls sieht: die PDUs werden in zwei Gruppen  „Education“ und „Giving back“ gesammelt.

Das letztere heißt „Giving back to the profession“ und behandelt Aktivitäten zum Vorteil von Projektmanagement und Ausführenden. Die Arbeit unserer „Volunteers“ (ehrenamtlich tätigen) im PMI Munich Chapter e.V. fällt zum Beispiel unter diese Kategorie, aber auch die praktische Arbeit als Projektmanager.

Weitere Möglichkeiten sind Seminare oder Vorträge zu Projektmanagement, die man entwickelt hat und/oder hält sowie Artikel oder auch Bücher, die man geschrieben hat.

Grundsätzlich gilt immer: Eine Stunde Arbeit = 1 PDU.

Man sieht in Abbildung 1 auch, dass die Anzahl der PDUs, die unter „Giving back“ auf 25 PDUs gedeckelt ist. Innerhalb dieser Gruppe gibt es noch eine Untergruppe für Praktizieren als Projektmanager, diese ist auf 8 PDUs gedeckelt.

Innerhalb der „Education“-Gruppe findet sich das „Talent Triangle“. Dieses besteht aus drei Untergruppen: Technical, Leadership sowie Strategic and Business.

In jeder dieser Untergruppen muss man mindestens 8 PDUs einreichen. Education über die drei Untergruppen erfordert mindestens 35 PDUs.

Das mag jetzt alles etwas verwirrend klingen, wenn man aber seine PDUs im Dashboard einträgt, wirden die Mindest- und Maximal-PDUs schnell klar. Weitere Details finden sich außerdem im CCRS® Handbook des PMI.

Das Talent Triangle

Abbildung 2: PMP Rezertifizierung

Abbildung 1: Das Talent Triangle

 

Der Grund für die Mindeststunden im Talent Triangle: Das PMI vermeldet intensive Rückmeldungen von Arbeit- und Auftraggebern von Projektmanagern, die sich über den oft unzureichenden Ausbildungsstand der Projektmanager beklagt haben.

Sie haben noch keine PMP-Zertifizierung? Hier erfahren Sie, wie die PMP-Zertifizierung abläuft, was geprüft wird, und vor allem: wie Sie sich optimal vorbereiten können!

Das betrifft insbesondere die Personen, deren PMP-Vorbereitung schon eine Weile zurückliegt. Mit der aktuellen Maßnahme will man sicherstellen, dass sich PMP-zertifizierte Personen intensiv und umfassend weiterbilden.

Wie sammelt man PDUs?

Gesammelte PDUs werden unter https://ccrs.pmi.org/claim beim PMI eingereicht (Zugang via PMI-Login). Abbildung 2 zeigt die Übersichtsseite, aus der man dann die passende Kategorie auswählen kann:

Abbildung 3 PMP Rezertifizierung

Abbildung 3: Die Übersichtsseite des CCRS zur Einreichung von PDUs  (PMI, 2015)

1. Education:

Ein einfacher Weg ist die Teilnahme an Seminaren bei Registered Education Providern (z.B. bei The Project Group) oder bei Chaptern des PMI. Diese haben die Möglichkeit, die in der Veranstaltung zu gewährenden PDUs vorweg beim PMI zu registrieren und die PDUs auf die „Talent-triangle“-Seiten zu verteilen.

Das Seminar wird dann vom Anbieter mit einem Code versehen, mittels dessen die Teilnehmer sich die PDUs automatisch vom CCRS eintragen lassen können. Jede Seminarstunde gibt dabei einen PDU.

Mein Tipp: Da bei den Registered Education Providern die PDU-Vergabe im Vorfeld vom PMI geprüft worden ist, werden die PDUs und ihre Verteilung in der Regel sofort akzeptiert.

Seminare anderer Anbieter werden ebenfalls akzeptiert, es kann aber Rückfragen seitens des PMI geben. Das kann zum Beispiel sein: zum Anteil der Projektmanagement-Inhalte an der Gesamtdauer, zur Zuordnung der PDUs zu den „Talent-triangle“-Kategorien, oder, sehr beliebt, zur Qualifizierung des Trainers. Dann müssen Sie eventuell auch schriftliche Nachweise einreichen.

Man kann auch weitere Maßnahmen nutzen, inclusive Webinaren, Podcasts, protokolliertem Lesen von Fachliteratur oder ebenfalls protokollierten Diskussionsrunden.

Hier kann es aber sinnvoll sein, einen Profi als Moderator zu beauftragen. Zumindest dann, wenn der Wunsch besteht, nicht nur formale Anforderungen zu erfüllen, sondern den Beteiligten auch einen echten Lernerfolg mitzugeben.

Dieser sollte dann auch die einheitliche und sinnvolle Verteilung der PDUs sicherstellen. Seminare, Diskussionsgruppen etc. können übrigens gerne im Unternehmensumfeld oder unabhängig vom Arbeitgeber stattfinden.

2. Giving back:

Die wichtigsten Methoden, in dieser Gruppe PDUs zu sammeln, habe ich oben bereits beschrieben.

Zu erwähnen ist noch, dass man hier auch als formaler Moderator, Mentor oder Experte (Subject matter expert, SME) PDUs bis zur bereits erwähnten Obergrenze sammeln kann (Aktuell 45, demnächst 25 PDUs, davon maximal 8 PDUs für praktische Tätigkeit als Projektmanager).

Gesammelte PDUs sollte man schnellstmöglich einreichen. Wenn man alle PDUs zusammen hat, kann man auch gleich den Verlängerungsprozess abschließen, der mit einer kleinen Gebühr verbunden ist. Der neue 3-Jahreszeitraum wird dann an des Ende des laufenden Zeitraums angehängt. Frühzeitiges Einreichen bringt also keine Nachteile.

Warum sich der Status-Erhalt lohnt

Die meisten Inhaber der PMP-Zertifizierung haben sie als wertvolle Bereicherung ihres Berufs erfahren. Man hat ein besseres Standing im eigenen Unternehmen, aber auch bei Kunden und Zulieferern und gilt als wertvolle Fachkraft.

Mit der PMP-Zertifizierung verbinden Auftraggeber Erfahrung, Professionalität und Kompetenz. Mit Ihrem Einsatz halten Sie Ihren Status hoch.

Die Verlängerung der Zertifizierung erscheint zuerst vielleicht als Belastung. Tatsächlich kann man aber mit diesen Maßnahmen den Wert der eigenen Zertifizierung weiter steigern und die eigene Professionalität nochmal verbessern. Der eigene Marktwert wird davon positiv betroffen sein.

Legen Sie los!

Wenn wir einmal davon ausgehen, dass Sie ohnehin im Projektmanagement tätig sind, dürften Ihnen acht PDUs erst mal leicht fallen, die Sie durch praktische Arbeit erlangen können. Sie benötigen also eigentlich 52 PDUs, die Sie innerhalb von 3 Jahren sammeln sollten.

Meine Empfehlung: Stellen Sie sich einen Plan auf, wie Sie Ihre Punkte sammeln wollen.

Dabei können Sie aus einer Vielzahl von Maßnahmen wählen:

Beispiele im Bereich Education:

  1. Nehmen Sie an Seminaren teil.
  2. Nehmen Sie an Veranstaltungen Ihres örtlichen Chapters teil. Die Website des PMI Munich Chapter e.V. zeigt Ihnen, wo diese Veranstaltungen im süddeutschen Raum stattfinden. Sollten Sie im Bereich eines anderen Chapters in Deutschland leben, finden Sie Ihr „Home Chapter“ unter der gemeinsamen Website der deutschen Chapter.
  3. Planen Sie protokolliertes Lesen von Büchern, Artikeln, Blogs und anderen Quellen. Notieren Sie Anfangs- und Endzeitpunkt jeder Sitzung, die jeweils gelesenen Seiten (bzw. Kindle-Positionen o.ä.), und schreiben Sie auf, was Sie sich dabei erarbeitet haben.
  4. Bitten Sie Ihr Unternehmen, ein Angebot an Workshops zu entwickeln, eventuell Trainer-geführt, das dann auch Angebote in Übereinstimmung mit den strategischen Zielen des Unternehmens beinhaltet und die spezifischen Bedürfnisse der beteiligten Personen berücksichtigt.

Beispiele im Bereich Giving Back:

  1. Werden Sie in einem Chapter als Volunteer aktiv.
  2. Entwickeln und halten Sie Vorträge, Seminare etc.
  3. Schreiben Sie Artikel zum Thema Projektmanagement. Das Magazin des PMI Munich Chapter e.V. ist übrigens immer dankbar für qualitativ hochwertige Einreichungen.
  4. Bieten Sie sich Anfängern im Projektmanagement als Mentor oder Coach an, gerne im eigenen Unternehmen.

Was ist Ihre Erfahrung beim Sammeln von PDUs? Haben Sie interessant Beispiele für uns? Ich würde mich freuen, wenn Sie unterhalb dieses Artikels einen Kommentar hinterlassen.

Zum LinkedIn Profil von Oliver F. Lehmann, M.Sc., PMP

[„PMI“, „PMP“, „CAPM“, „PMBOK“ und das Registered Education Provider Logo sind eingetragene Warenzeichen des Project Management Institute, Inc.]

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4 Kommentare

  1. Hallo, ich habe eine Kollegen die letzten 3 Monate begleitet in der Einarbeitung zur Projektmanagerin für ein Rollout-Projekt. Dies würde ich gerne unter der Kategorie „Giving Back“ notieren und anrechnen. Hat jemand Erfahrungen wie viele PDU’s dort anerkannt werden. Einige Stunden pro Woche sind in den letzten Monaten dafür bei mir angefallen…

    • Martin Gösse am

      Liebe Susanne,
      in der Tat können Sie die Unterstützung / Einarbeitung Ihrer Kollegin als PDUs anerkennen lassen. Der von Ihnen beschriebene Fall entspricht dem Bereich „Share Knowledge“ (https://www.pmi.org/certifications/maintain/earn-pdus). Prinzipiell gilt, dass jede Stunde, die Sie im Zusammenhang mit der oben genannten Aufgabe erbracht haben, 1 PDU entspricht.
      Viele Grüße
      Martin Gösse

  2. Christina am

    Hallo und herzlichen Dank für den hilfreichen Artikel! Ich hätte noch eine Nachfrage zum Zyklus der Rezertifizierung:
    Wenn ich schon vor Ablauf der Zertifizierungsfrist meine 60 PDUs gesammelt und eingetragen habe – gelten die drei Jahre bis zur nächsten Zertifizierung dann ab dem Eintragungsdatum der letzten PDUs oder trotzdem ab dem eigentlichen Tag des Ablaufes des drei Jahres-Zyklus seit Erstzertifizierung?

    Und ist es empfehlenswert, bereits weitere PDUs einzureichen? Was passiert mit diesen 60+ Punkten – werden diese bereits zum nächsten 3-Jahres-Zylkus dazu gezählt oder verfallen diese?

    Vielen herzlichen Dank bereits im Voraus!

    • Oliver F. Lehmann am

      Sehr geehrte Frau Wagner,

      Keine Sorge. Meine Empfehlung: Reichen Sie Ihre PDUs baldmöglichst ein, und schließen Sie den Verlängerungsprozess für die Zertifizierung ab, wenn Sie alle PDUs zusammenhaben.

      Der neue 3-Jahreszeitraum beginnt erst nach dem vollständigen Ablauf des jetzigen. Ich habe beispielsweise bereits im März 2017 meine PDUs eingereicht für den Zeitraum 2020-2023 und kann mich seither auf andere Dinge konzentrieren, wie meine Arbeit und mein neues Buch. Das frühe Einreichen hat nicht den aktuellen Zeitraum verkürzt.

      Mit freundlichen Grüßen,

      Oliver F. Lehmann, PMP

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